Studien- und Praxisprogramme

Auf dieser Seite finden Sie eine Übersicht über unsere aktuellen Studien- und Praxisprogramme und Veranstaltungsreihen.

Studienprogramme

NOVEMBER 2026 BIS APRIL 2027

(BEGINN Mittwoch 4. NOVEMBER live online)

Forum christlich-buddhistischer Dialog: Was er war – Was er ist – Was er sein könnte.
Leitung | PD Dr. Karsten Schmidt

Zielsetzung

Die Geschichte der europäischen Begegnung mit dem Buddhismus beginnt durch christliche Missionare im 16. Jahrhundert, beschränkte sich jedoch auf einen kleinen Kreis von Beteiligten. Durch Kolonialismus, bessere Reisemöglichkeiten und allgemein zugängliche Publikationen weitete sich der Dialog im 19. Jahrhundert weiter aus. Eine deutliche Intensivierung mit breitem öffentlichem Interesse erfolgte aber erst seit den 1960er Jahren. Trotzdem bleiben viele Fragen offen; dabei hilft ein Blick in die Geschichte: Wo wurden Unterschiede gesehen, wo Gemeinsamkeiten, wie wurde damit umgegangen, und was können wir heute daraus lernen? Dazu gehört auch die Frage, was Dialog genau bedeuten sollte. Erst durch einen langwierigen wechselseitigen Lernprozess setzte sich die Ansicht durch, dass wahrhafter Dialog mehr ist als andere argumentativ zu besiegen oder zu bekehren. Vielmehr gehört dazu eine Haltung wechselseitiger Anerkennung, die Bereitschaft, andere Positionen angemessen zu verstehen, die Offenheit, zu lernen, manchmal auch zu kritisieren oder kritisiert zu werden.

Der christlich-buddhistische Dialog ist aber nicht nur historisch interessant, sondern spiegelt zugleich einen wichtigen Aspekt der europäischen Sicht auf den Buddhismus insgesamt. Immer wieder greifen Übersetzungen und Erläuterungen buddhistischer Texte bis heute – meist unreflektiert – auf eine christlich geprägte Sprache zurück, wenn sie z. B. von „Transzendenz“ sprechen oder dem „Absoluten“, was zu gravierenden Missverständnissen führen kann. Ein fundierter Blick auf die Entwicklung der christlich-buddhistischen Begegnung – auf die Hintergründe, Motivationen sowie die daraus folgenden Hindernisse oder Möglichkeiten – kann entscheidend dazu beitragen, den Blick auf das Andere, das Eigene und die Abhängigkeit von beiden zu schärfen. Zu diesem Zweck konzentriert sich das Studienprogramm auf eine Auswahl wirkungsgeschichtlich einflussreicher und besonders aussagekräftiger Beispiele, die anhand von Zitaten vorgestellt und anschließend diskutiert werden. Die Auswahl ist flexibel und kann nach Wunsch ergänzt oder modifiziert werden.

Inhalt und Ablauf

Der erste intensive und gut dokumentierte christlich-buddhistische Dialog ergab sich 1550/51 in der Stadt Yamaguchi in Japan zwischen jesuitischen Missionaren, angeführt von Francisco de Xavier (1506−1552), mit vor allem Zen-buddhistischen Mönchen. Auf der Basis entstand eine erste Darstellung buddhistischer Lehren, die Sumario de los errores (Zusammenfassung der Irrtümer), allerdings noch stark polemisch und durchzogen von gravierenden Missverständnissen.

Einen frühen Höhepunkt des christlich-buddhistischen Dialogs bilden die Schriften des ebenfalls jesuitischen Missionars Ippolito Desideri (1684–1733), der im frühen 18. Jahrhundert mehr als fünf Jahre in Zentral-Tibet verbrachte. Bei ihm findet sich ein Vergleich der christlichen Scholastik mit dem indo-tibetischen Madhyamaka, und damit der christlichen Vorstellung von Gott gegenüber der buddhistischen „Leerheit“, der in seiner Kompetenz und Differenziertheit bis heute unübertroffen ist, trotzdem leider kaum bekannt.

Als weitere Etappe betrachten wir Berichte protestantischer Missionsgesellschaften in Ceylon (Śrī Laṅkā) im 19. Jahrhundert, deren Blick auf Buddhismus meist sehr polemisch und ablehnend war, was zu einer ebenso polemischen buddhistischen Reaktion führte und kontroversen öffentlichen Debatten. Ein wichtiger Pionier für ein versöhnlicheres Verhältnis war der singhalesische methodistische Pfarrer Lynn de Silva (1919−1982), von dem wir Auszüge aus seinen späteren Schriften betrachten.

Ein Meilenstein des interreligiösen Dialogs insgesamt war das erste „Weltparlament der Religionen“ während der Weltausstellung in Chicago 1893, organisiert von Vertretern eines liberalen Protestantismus. Hierzu konzentrieren wir uns auf Beiträge der Organisatoren sowie von drei buddhistischen Repräsentanten: Anagārika Dharmapāla für den singhalesischen Theravāda sowie die beiden japanischen Mönche Toki Hōryū (1854−1923) von der Shingon-Schule und den Zen-Meister Shaku Sōen (1860−1919).

Ein herausragendes Beispiel wechselseitiger Offenheit und gedanklicher Tiefe sind drei transkribierte Gespräche, die der evangelische Theologe Paul Tillich (1886-1965) mit dem Zen-Meister Hisamatsu Shin‘ichi (1889−1980) im Herbst 1957 an der Harvard Divinity School geführt hatte. Sie wurden später in der Zeitschrift The Eastern Buddhist New Series veröffentlicht, woraus wir Auszüge betrachten.

Ein tiefgreifender Wandel im katholischen Verhältnis zu anderen Religionen ereignete sich auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil von 1962 bis 1965. Das bekannteste Zeugnis findet sich in der Aussage aus der Erklärung Nostra aetate, wo es u. a. heißt: „Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist.“ Anhand dieses und anderer kirchlicher Dokumente betrachten wir diesen Wandel und seine späteren Auswirkungen speziell auf das Verhältnis zum Buddhismus. In diesem Zusammenhang interessant sind zudem Aussagen von Karl Rahner (1904−1984) und Joseph Ratzinger (Papst Benedikt XVI., 1927−2022).

Weiterhin aufschlussreich ist ein Blick in zwei Werke über den bekannten Mystiker Meister Eckhart mit vergleichenden Bezügen zum Zen-Buddhismus: Das eine von Ueda Shizuteru (1926–2019): Die Gottesgeburt in der Seele und der Durchbruch zur Gottheit von 1965, das andere von Bernhard Welte (1906−1983): Meister Eckhart. Gedanken zu seinen Gedanken von 1979. Die beiden Autoren begegneten sich auf vielen Dialogveranstaltungen und interessant ist, dass ihre Vergleiche bezüglich Gemeinsamkeiten und Unterschieden zu divergierenden Einschätzungen kommen.

Eine denkwürdige Veranstaltung fand 1994 an der Middlesex University in London statt. Organisiert von der World Community for Christian Meditation kommentierte der XIV. Dalai Lama dort Passagen aus der Bibel, gefolgt von klärenden Gesprächen, die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen christlichen und buddhistischen Positionen verdeutlichten. Die Dokumentation dieser Veranstaltung trägt im Deutschen den Titel „Das Herz aller Religionen ist eins“.

Mit zahlreichen Veranstaltungen und Publikationen besonders aktiv im aktuellen christlich-buddhistischen Dialog sind Vertreter und Vertreterinnen der sogenannten Pluralistischen Theologie. Sie entstand in den 1970er Jahren, maßgeblich durch den presbyterianischen Geistlichen und Theologen John Hick (1922–2012) sowie Mitstreitern wie dem katholischen Theologen und Religionswissenschaftler Paul Francis Knitter (geb. 1939). Der bekannteste Vertreter in Deutschland ist der Theologe und Religionswissenschaftler Perry Schmidt-Leukel (geb. 1954). Die zentrale Frage wird für uns sein, wie berechtigt der leitende Gedanke der Pluralistischen Theologie ist, dass Christentum und Buddhismus sich letztlich auf dieselbe transzendente Wirklichkeit beziehen.

Ausgangspunkt und Grundlage bilden Impulsvorträge anhand von Powerpoint-Präsentationen oder Texten, gefolgt von viel Gelegenheit zur Diskussion. Unterrichtsmaterialien werden regelmäßig zur Verfügung gestellt.

Zeit | Zweiwöchentlich mittwochs 19.30 bis 21 Uhr live online.

Termine: 4./18.11., 2./16.12.2026, 13./27.1., 10./24.2., 10./24.3., 7./21.4.2027.

Regulär 40 Euro | Mitglieder 25 Euro | ermäßigt 16 Euro | freies Kontingent für Student/innen (bitte im Büro anfragen)

Der Frankfurter Religionswissenschaftler PD Dr. Karsten Schmidt (Schwerpunkt asiatische Religionen und interreligiöser Dialog), Vertreter des Tibethaus im Rat der Religionen und Leiter des Tibethaus-Bereichs Wissenschaft hat schon einige erfolgreiche Programmreihen im Tibethaus angeboten. Er ist auch der Initiator des Tibethaus Dialogforums.