Tarig – Einführung in die buddhistische Logik Vertiefendes philosophisches Studienprogramm

 

Im spirituellen Kampf siegt der Geist, der von Logik unterstützt wird
immer über den Geist, der es nicht wird."

S. H. Dalai Lama

Tarig – Einführung in die buddhistische Logik - Vertiefendes philosophisches Studienprogramm

Einjähriges Studienprogramm unter der Leitung des Ehrw. Shenphen Rinpoche

Info Abende: Freitag, 2. März, 15. Juni und 12. Oktober 2018, 19.30 bis 21 Uhr

 

Begründet von dem indischen Philosophen Dignaga (480 bis 540 n. Chr.) wurde die buddhistische Logik vor allem von Dharmakirti im 7. Jh. ausgearbeitet. Dessen berühmte Werke, wie die Pramanavartikka, wurden im 11. Jh. von den großen Übersetzern (Lotsawa Chenpos) in höchster Präzision ins Tibetische übertragen. Sie bilden bis heute die Grundlage des Logikstudiums in tibetischen Klöstern und Instituten. Ergänzend werden Kommentartexte von früheren und zeitgenössischen tibetischen Gelehrten studiert. Letztere werden auch die Grundlage dieses Studienprogramms bilden.

Tarig (tib.: rtags rig) befasst sich mit den verschiedenen Möglichkeiten der logischen Beweisführung. Ein Sachverhalt soll durch Argumentation und Logik klargestellt werden. Man lernt unterschiedliche Arten der Beweisführung und die Technik der Debatte kennen. Durch diesen Prozess kann ein tieferes Verständnis der Lehre entstehen. Das Denken wird geschult, um wahre Aussagen von bloßen Vermutungen oder Behauptungen zu unterscheiden. Die Logik dreht sich letztendlich gänzlich um das Verhältnis von Subjekt, Objekt und dem Vorgang des Erfassens zwischen beiden und führt über die vier philosophischen Schulen hin zum Madhyamaka, der Philosophie der Leerheit.

Inhalte des Tarig-Studium sind beispielsweise: 

  • Was sind Objekte der Untersuchung?
  • Was sind korrekte Arten der Beweisführung?
  • Welche Pseudo-Beweise gibt es?
  • Was heißt es, wenn sich zwei Aussagen durchdringen?

Tarig ist mit Lorig eng verwandt und verbunden. Die Inhalte sind sehr umfangreich und die Terminologie ist anspruchsvoll, doch die Auseinandersetzung damit ist die beste Vorbereitung für das weitere Studium der Weisheitslehren. Daher wurde uns dieses Studienprogramm von unserem hochverehrten Lehrer und spirituellen Leiter, S. E. Dagyab Kyabgön Rinpoche, sehr ans Herz gelegt. Hat man Lorig und Tarig gut verstanden, fällt das anschließende Studium der Prajnaparamita-Abteilung viel leichter. Man nähert sich einem präziseren, vertieften Verständnis der Wahrnehmung, welches essentiell auf dem buddhistischen Pfad ist. Dagyab Rinpoche spricht von der Kommunikation zwischen Subjekt und Objekt. Angefangen mit unserem derzeitigen, von Verblendung durchdrungenen Erfassen der Realität (Verkehrtes Bewusstsein) arbeitet man systematisch und möchte Schritt für Schritt, über die Schlussfolgernde Erkenntnis, von der konzepthaften zur direkten Wahrnehmung der Wirklichkeit kommen. Die logische Debatte schärft dabei den Geist. Philosophie unterstützt Meditation und umgekehrt. Beides sind Instrumente des Geistes und können gerade im Zusammenwirken zur letztendlichen Klarheit führen.

Es soll nicht verschwiegen werden, dass es sich um ein sehr anspruchsvolles Studienprogramm handelt. Es ist für Menschen, die wirklich ernsthaft daran interessiert sind, ihr Verständnis der Lehre immer weiter zu vertiefen und dabei auch keine Angst vor „trockenem Stoff“ haben. Die Teilnehmer sollten also im positiven Sinne philosophieverrückt sein, um wirklich Spaß am Studium finden zu können! Profitieren können u. U. auch Personen, die sehr offen und generell daran interessiert sind, logisches Denken kennenzulernen, auch wenn sie keine Buddhisten sind. 

Termine und Themen

Termine:

Alle Seminare, mit Ausnahme des Januar-Termins, werden vom Ehrw. Shenphen Rinpoche geleitet, übersetzt und assistiert von unseren erfahrenen Übersetzerinnen und Tutoren.

Beginn: 10./11. November 2018

2. WE 19./20. Januar 2019 Logisches Denken im Buddhismus

mit Geshe Kelsang Wangmo

(Änderungen vorbehalten)

Es ist ein besonderer Glücksfall, dass die in Dharamsala lebende deutsche Nonne und Gelehrte Kelsang Wangmo im Tibethaus sein und aus ihrer persönlichen Erfahrung des Geshe Studiums berichten wird. Als junge deutsche Frau hat sie sich in der reinen Männerwelt der Klöster behaupten können und als erste Frau überhaupt das vollständige Geshe Studium erfolgreich absolviert und abgeschlossen. Wie bekommt man einen Zugang zur buddhistischen Logik? Was sind die wichtigsten Begriffe und Methoden? Anhand von Diagrammen wird uns Geshe-la dieses Denksystem anschaulich machen.

3. WE 23./24. Februar 2019

4. WE 30./31. März

5. WE 18./19. Mai

6. Intensiv- Workshop 20.-23. Juni (Do 19 Uhr bis So 15 Uhr)

Wir verbringen drei Tage in der Abgeschiedenheit des Retreathauses Berghof im Spessart, um richtig viel Zeit zu haben, uns in das System der logischen Debatte zu vertiefen. Neben Shenphen Rinpoche wird uns die deutsche Nonne Tenzin Tsomo (Chandra Chiara Ehm) bei unseren Debattierversuchen anleiten. Begleitend hilft uns Meditation, einen fokussierten, klaren Geist zu entwickeln.

7. WE 21./22. September

8. WE Abschluss: 19./20. Oktober 2019

Lehrende des Studienprogramms

Shenphen Rinpoche, der das Programm leitet, ist seit März 2017 der Residenzlehrer des Tibethaus Deutschland. Er leitet die buddhistischen Studienprogramme und zeichnet sich durch umfassendes Wissen und besonders klar strukturierte Unterweisungen aus. 2015 wurde ihm der Geshe Lharampa-Titel verliehen, und er beendete sein Studium in Drepung und am Ratö Kloster in Südindien, wohin er als junger Flüchtling aus Tibet gekommen war. Shenphen Rinpoche wurde in der Provinz Dagyab, Osttibet, geboren und ist unserem Lehrer Dagyab Kyabgön Rinpoche als Schüler innig verbunden.

Geshe Kelsang Wangmo hat als erste Frau, und dazu als Deutsche, den Geshe Titel erworben. Sie lebt und arbeitet in Dharamsala, wo sie die Unterweisungen des Dalai Lama ins Deutsche übersetzt. Eines ihrer Projekte im Auftrag des Dalai Lama ist die Übertragung und Kommentierung von Dharmakirtis „Pramanavartikka“, einem wichtigen Grundlagentext der buddhistischen Logik, ins Englische. Dem Tibethaus ist sie freundschaftlich verbunden und wir freuen uns sehr, dass sie eine Einführung in die buddhistische Logik geben und dabei lebendig von ihren persönlichen Erfahrungen mit dem Logikstudium berichten wird. 

Katrin Querl, Übersetzerin und Tibetologin, Schülerin von Garchen Rinpoche, hat sechs Jahre in Dehradun, Indien, buddhistische Philosophie studiert und auch das Debattieren auf Tibetisch gelernt. Derzeit promoviert sie an der Uni Wien im Fachbereich Buddhismuskunde. Sie steht uns als Übersetzerin und Brückenbauerin zum Einstieg in das schwierige Gelände der Logik zur Verfügung.

Tenzin Tsomo (Chandra Chiara Ehm) ist eine deutsche Nonne und langjährige Schülerin von Dagyab Kyabgön Rinpoche. Seit nunmehr neun Jahren studiert sie im Geshe-ma Studiengang im Nonnenkloster von Kopan, Nepal, buddhistische Philosophie und forscht derzeit auch für ein Diplom an der Sorbonne in Paris. Sie wird das Programm ebenfalls als Übersetzerin und Lehrerin mit tragen und lebendig gestalten helfen.

Andreas Ansmann (Jampa Tsöndrü), Psychologe, ist ein deutscher Mönch, langjähriger Schüler von Dagyab Rinpoche und Mitarbeiter des Tibethauses, der Vielen schon aus anderen Studienprogrammen des Tibethauses bekannt ist.

Lobsang Chökyi (Barbara Kirchhof), Nonne, Neurobiologin (PhD); seit 1997 Studium und Praxis des Buddhismus als Schülerin von Thubten Tulku, Geshe Thubten Ngawang, Lodrö Rinpoche, Dagyab Kyabgön Rinpoche u. a.. Absolventin des FPMT Masters-Programms und des Studienprogramms im TZ Hamburg.

Andreas Ansmann und Lobsang Chökyi begleiten das gesamte Studienprogramm durch Zusammenfassungen, Meditationen und Ausarbeitung der schriftlichen Unterlagen.

Voraussetzungen

Großes Interesse am systematischen, logischen Denken und an der Vertiefung des eigenen Verständnisses der buddhistischen Philosophie. Vorkenntnisse in Lamrim und Lorig sind sehr vorteilhaft.

Ort

Alle Wochenendkurse finden im Tibethaus Deutschland, Georg-Voigt-Str. 4 in Frankfurt statt. Der verlängerte Juni-Termin findet im Retreathaus Berghof, Wiesen im Spessart, statt.

Im Fernstudium kann man nicht im vollen Umfang von den Seminaren profitieren.

Seminarzeiten:

Samstag 10.00 – 13.00 Uhr und 15.00 – 18.00 Uhr; Sonntag 9.30 – 13.00 Uhr 

Kosten:

Pro Wochenende für Mitglieder 75 € / Nichtmitglieder 110 €

Termin im Berghof für Mitglieder 110 € / Nichtmitglieder 190 €

Sonderregelungen und Ermäßigungen:

Ermäßigung können bei bestimmten Voraussetzungen angefragt werden. Studentinnen/Studenten erhalten 50% Ermäßigung pro Wochenende. Verheiratete/Lebenspartner erhalten bei gemeinsamer Anmeldung jeweils eine Ermäßigung von 10 Euro pro Wochenende. 

Studienmaterialien:

Die Teilnehmer erhalten eine Mappe und pro Kurseinheit schriftliche Unterlagen, sowie CDs mit Mitschnitten im MP3 Format.