Entwicklungslinien des Buddhismus

Entwicklungslinien des Buddhismus

Ein Überblick über die Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte der buddhistischen Traditionen in sieben Modulen

Beginn Freitag 22. November 2019 

Leitung | Dr. Karsten Schmidt 

Was steht in den frühen Schriften? Wie groß sind die Unterschiede zwischen dem kleinen und großen Fahrzeug? Wie kam der Buddhismus nach China und Japan? Welches soziale Phänomen zeigt sich in der Verbindung zwischen den Herrschaftshäusern und der tantrischen Bewegung? Wie verlief die Etablierung buddhistischer Traditionen in den westlichen Ländern, und wo gibt es Veränderungen? 

Diese und noch mehr Fragen werden im siebenteiligen Kurs diskutiert werden. Ziel ist es, eine Gesamtperspektive auf die buddhistischen Traditionen zu bieten. Es geht sowohl um die Entwicklung der wichtigsten Ideen aufgrund interner Diskurse und Kontroversen, sowie um die begleitenden historischen Umstände bei der Etablierung der verschiedenen Schulrichtungen. Die vorgetragenen Hintergrundinformationen werden anhand von ausgewählten Passagen buddhistischer Texte vertieft und diskutiert, wobei ein wichtiger Aspekt auch auf den speziellen Problemen des Verstehens aus westlicher Perspektive liegen soll. 

 

Die Inhalte der einzelnen Module

 

1. Freitag 22. November 2019
Entstehung und Entwicklung des frühen Buddhismus im indischen Umfeld 

Beim ersten Treffen beschäftigen wir uns mit dem Leben des Buddha und dem frühen Buddhismus innerhalb der indischen Religionsgeschichte. Im Weiteren betrachten wir die Spaltung des frühen Sangha nach dem Tod des Buddha in verschiedene Schulen und benennen ihre wichtigsten Lehraussagen, interne Diskussionen und die erste Verbreitung innerhalb Indiens u.a. durch die Förderung des Königs Ashoka (4./3. Jh. v. Chr.). 

2. Freitag 13. Dezember 2019
Theravada

Die vollständigste Sammlung der frühesten Schriften findet sich im Kanon der Theravada-Schule. Anhand dessen betrachten wir zentrale Konzepte wie die „Vier Edlen Wahrheiten“, was genau meinen Samsara und Nirvana, welches Verständnis kommt dort zum Ausdruck über die Welt, den Menschen und den Weg zur Erlösung. Diese Gedanken und damit verbunden Praktiken bilden die Basis für alle weiteren Entwicklungen buddhistischer Traditionen. 

3. Freitag 17. Januar 2020
Mahayana

Eine für die Entstehung der heutigen buddhistischen Traditionen wichtige Entwicklung ist die Herausbildung eines Traditionsstrangs ab ca. dem 1. Jh. v.Chr., der sich Mahayana („Großes Fahrzeug“) nannte. Dieser setzte sich von den in Folge als Hinayana („kleines Fahrzeug“) bezeichneten frühen Schulen ab. Welche internen Diskurse und gesellschaftlichen Umstände führten dazu? Worin bestehen die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von kleinem und großem Fahrzeug? Als wichtige Schulrichtungen werden wir uns mit Madhyamaka und Yogachara beschäftigen, die wesentlichen Einfluss hatten auf die späteren Entwicklungen. 

4. Freitag 14. Februar 2020
Chan/Zen und Amida Buddhismus

Bereits im 1. Jh. gelangte der Buddhismus in seiner Mahayana-Form bis China, wo dann mit der Herausbildung des Chan-Buddhismus (von Skt. dhyana: „Meditation“) eine eigene Richtung entstand. Charakteristisch sind hier die Betonung der Praxis und ein starker Diesseitsbezug. Als der Chan Buddhismusim 12. Jh. nach Japan kam, hat er sich ebenfallsmit der lokalen Kultur verbunden und sehr eigenständige Ausformungen angenommen. Eine andere wichtige Richtung des Mahayana ‒ besonders in Ostasien ‒ ist der sog. „Reine Land-Buddhismus“. Im Zentrum steht hier die Verehrung des Buddha Amitabha (Jap. Amida) und der Wunsch, in sein „Reines Land“ Sukhavati (Skt „Glückselige“) wieder geboren zu werden, wo ideale Bedingungen zur Erlangungen der Buddhaschaft herrschen. 

5. Freitag 20. März 2020
Vajrayana

Ab dem 7. Jh. etablierte sich als eine Variante verschiedener tantrischer Richtungen in Indien der Vajrayana-Buddhismus, der u.a. prägend war für die Einführung des Buddhismus in Tibet. Wir schauen auf die damit verbundenen gesellschaftlichen Veränderungen: z.B. die Verbindung zu den Königshäusern und die tantrische Bewegung als soziales Phänomen. Des Weiteren geht es um die zentralen Inhalte tantrischer Lehren und Methoden: die Tendenz, alle Aspekte des Lebens zu integrieren; die Vorstellung einer „feinstofflichen“ Ebene; das Bemühen einer direkten Identifikation mit der Buddhaschaft und die Verbindung zu den mahayanischen Grundlagen wie Leerheit und Mitgefühl. 

 

6. Freitag 24. April 2020
Die Entwicklung des Buddhismus im interkulturellen Kontext

Bei der Verbreitung über den indischen Raum hinaus standen die buddhistischen Traditionen zunehmend auch unter dem Einfluss anderer Kulturen. Das zeigt sich z.B. an der Entstehung der ersten Darstellungen des Buddha ab dem 1. Jh. in der Region Gandhara (heute Afghanistan/Pakistan), deren Stil griechischen Gottheiten nachempfunden war. Andere Einflüsse zeigen sich von der persischen Kultur. Darüber hinaus wirkte die Begegnung mit dem Islam prägend auf beide Traditionen, was sich z.B. in den Kalachakra-Texten (11. Jh.) niederschlägt, sowie in buddhistischen Einflüssen auf den frühen Sufismus, der islamischen Mystik.

7. Freitag 15. Mai 2020
Die europäische Begegnung mit dem Buddhismus

Intensive Begegnungen ergaben sich durch den beginnenden Kolonialismus ab dem 16. Jh. und die Reisen christlicher Missionare, wie z.B. der Jesuiten. Ihre Berichte u.a. aus Indien, Japan oder Tibet enthalten die ersten Darstellungen buddhistischer Lehren in Europa, wenn auch aus ihrer christlichen Sicht noch verbunden mit einer deutlich ablehnenden Bewertung. Ab dem späten 18. Jh. entstand an europäischen Universitäten ein Fachgebiet „Orientalismus“ und Forscher begannen zentrale heilige Texte zu übersetzen und zunehmend auch einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Davon beeinflusst war z.B. Arthur Schopenhauer (1788–1860) einer der ersten europäischen Intellektuellen, dessen Denken ausdrücklich stark von buddhistischen Ansätzen inspiriert war. Andere wichtige Namen im deutschen Raum sind Friedrich Nietzsche (1844–1900) und Martin Heidegger (1889–1976). Den Abschluss bildet ein Blick auf die Etablierung buddhistischer Traditionen in westlichen Ländern vor allem ab den 1970ger Jahren und spezifische damit verbundene Themen und Schwierigkeiten, was wir am Beispiel von Stephen Batchelor und den Diskussionen um einen „säkularen“ Buddhismus betrachten. 

Dr. Karsten Schmidt lehrt und forscht als Religionswissenschaftler an der Goethe Universität Frankfurt. Im Tibethaus hat er 2012/13 schon ein ähnliches Studienmodul erfolgreich geleitet und war Mitgestalter des Studienprogramms „Ethik jenseits von Religion“. Vor zwei Jahren hat er das Forum Buddhismus im Dialoggegründet.

 

MODALITÄTEN

Dieser Kurs ist für Einsteiger und Fortgeschrittene geeignet und kann nur als Ganzes besucht werden.

Die Teilnehmer erhalten für jede Kurseinheit Arbeitsunterlagen und Aufnahmen der Veranstaltung im MP3 Format. Ein Fernstudium ist möglich!

Zeit | jeweils freitags 15 bis 18.30 Uhr 

Mitglieder 280 Euro | Nichtmitglieder 390 Euro | Studenten (u25) 90 Euro 

Verheiratete/Lebenspartner erhalten bei gemeinsamer Anmeldung jeweils eine Ermäßigung von 10 Euro pro Wochenende. 

Für weitere Informationen oder Anmeldungen kontaktieren Sie bitte unser Büro unter info@tibethaus.com!