20.10.2011

Ausgabe 20.10.2011

Das Tibethaus

Das Tibethaus Deutschland ist ein Kulturinstitut, das sich den buddhistischen Prinzipien der Toleranz und Offenheit verpflichtet fühlt.
Tibetinteressierte, BuddhistenInnen genauso wie Nicht-BuddhistenInnen, finden hier einen Ort, an dem sie buddhistische Philosophie und Praxis, Heilkunde, Gesellschaftsrelevantes, Wissenschaftliches, sowie die alte und moderne Kultur Tibets kennenlernen und erfahren können.

 

Themenübersicht

Nachrichten:

1. Eine Reise nach Tibet im Frühherbst
2. Gebete im Tibethaus
3. Filmfestival „Erleuchtung garantiert“
4. Botanikreise nach Tibet 2012

Programm:

5. Alte Heimat – neue Heimat
6. Peter Gäng im Tibethaus
7. Café Philosophie
8. Neurobiologische Grundlagen der Spiritualität
9. Termine
10. Zitat der Woche

1. Eine Reise nach Tibet im Frühherbst
    Ein Bericht von Elke Hessel

 

Dieses Jahr sind wir Ende August von Nepal aus nach Lhasa (atemberaubend ist der Blick auf den Chömo Lungma, der zum Greifen nahe scheint) geflogen. Die Reise haben wir zuvor von Deutschland aus über ein tibetisches Reisebüro in Katmandu organisiert. Die Bedingungen, unter denen ein Aufenthalt in Tibet für Touristen möglich ist, sind momentan sehr strickt. Der Reiseablauf muss detailliert vorliegen, für manche Orte müssen Sondergenehmigungen eingeholt werden, und man ist ständig von einem (wenn auch sehr nettem) tibetischen Guide begleitet. 
Wir sind diesmal 12 Tage in Lhasa selber geblieben und haben in alle Himmelsrichtungen Ausflüge unternommen. Besonders haben es mir die vielen kleinen Einsiedeleien in den Anhöhen rund um Lhasa angetan, die von wenigen Nonnen und Mönchen bewohnt werden und von denen aus man einen spektakulären Blick auf das breite, von Bergen umgebene, Tal hat. Auch ist es inzwischen Tradition, einen Tagesausflug zum Höhlenheiligtum Drag Yerpa zu unternehmen, das inzwischen gut mit dem Auto in zwei Stunden zu erreichen ist. Dieses ist ein beliebter Pilgerort und ganze Familien vom Kleinkind bis zur Großmutter schieben sich – insbesondere an Wochenenden – durch die dämmrigen, mit Statuen und Butterlampen bestückten Meditationshöhlen. Die meisten Höhlen sind hinter tempelartigen Vorbauten verborgen, die über den ganzen Steilhang verstreut errichtet worden sind. Der Legende nach haben hier die tibetische Könige, aber auch Meister wie Atisha und Dromtönpa meditiert. Ein kraftvoller, wunderbarer Ort, an dem ich auch gerne das eine oder andere Retreat durchführen wollte, was uns Ausländern aber leider nicht gestattet ist. Doch in Anbetracht der Tatsache, dass alles, aber auch alles, der Unbeständigkeit unterliegt, gebe ich die Hoffnung nicht auf.

Nach 12 Tagen sind wir mit dem Jeep in Richtung Südtibet aufgebrochen. Wir haben zunächst den im Westen nicht sehr bekannten Yeshe Tsogyal Lhatso (Orakelsee) besucht, der auf der nördlichen Seite des Yarlung Sangpo Flusses umgeben von gewaltigen Sanddünen liegt. Der See ist eher ein ummauerter grünlich schimmernder Teich und liegt ganz geschützt  in einem Pappelhain. Hier leben auch einige liebenswerte Nonnen, die Chöd praktizieren. Eine Tagesreise davon entfernt befindet sich, hoch in den Bergen, der Lhamö Lhatso, der berühmte Orakelsee, auf dessen Oberfläche visionäre Bilder geschaut werden können (wenn man kann). Dorthin sind wir hochgestiegen, über eine pudrige Schneefläche, durch die an einigen Stellen wunderschöne blaue Blumen durchgebrochen waren.

Mehr über diese Reise werde ich im nächsten Tibethaus Journal, der im Dezember erscheinen wird, berichten.
Nur noch eines: Tibet ist immer noch – trotz aller bedrückenden Umstände – ein ganz  besonderes, sehr spirituelles Land. Tibet und seine Menschen brauchen unsere Aufmerksamkeit, unseren Respekt und unsere Unterstützung. Das wird mir jedes Mal klar.

2. Gebete im Tibethaus

Seit Anfang diesen Jahres setzten sich insgesamt neun Tibeter in Tibet aus Protest gegen Unrecht und für Freiheit selbst in Brand. Fünf sind inzwischen verstorben und vier sind anscheinend schwer verletzt. Am 17. Oktober hat sich Tenzin Wangmo, eine 20-jährige Nonne, mit Benzin übergossen und angezündet. Solche Selbsttötungen sind in der tibetischen Kultur ungewöhnlich und deuten auf eine große Verzweiflung der extrem jungen Aktivisten hin.
Gestern, am 19. Oktober, wurden unter der Leitung Seiner Heiligkeit des Dalai Lama, aber auch weltweit, Solidaritätsgebete für die Verstorbenen durchgeführt. In Delhi nahmen über 3.500 Tibeter an Solidaritätshungerstreiks und Demonstrationen teil.
Das Tibethaus Deutschland möchte am kommenden Samstag ( 22. 10. ab 18:30 Uhr) im Tibethaus Deutschland ein gemeinsames Gebet, eine Chenresig Puja (Chirizek), mit hoffentlich vielen Teilnehmern für die Opfer und Verletzten durchführen.

3. Filmfestival „Erleuchtung garantiert“

Donnerstag, 10. November bis Sonntag, 13. November findet in Frankfurt das erste Festival des spirituellen Films statt in Zusammenarbeit mit dem HAUS AM DOM, Frankfurt und NIRWANA EVENTS, Berlin. Tibethaus Deutschland ist einer der Kooperationspartner.
Näheres siehe www.tibethaus.com, die Pdf mit dem Programm findet sich auf der Startseite. Wichtig: Im gedruckten Programmflyer ist versehentlich eine falsche Hausnummer angegeben: Der Gemeindesaal St. Gallus befindet sich in der Mainzer Landstraße 299. Die Hausnummer 229 gibt es nicht.

 

4. Botanikreise nach Tibet 2012

Der Dipl. Geograph Daniel Winkler erforscht seit 1988 Tibets Umwelt, inzwischen schwerpunktmäßig Pilze und deren Rolle im Leben der Tibeter. 2012 bietet er wieder zwei Reisen (bei denen die tibetische Kultur auch nicht zu kurz kommt) an, auf die wir hinweisen wollen: Sie finden vom 28. Mai bis 11. Juni (Raupenpilztour in Osttibet) und 17. bis 30. Juli (Pilz- und Botanikreise, Kongpo und Zentraltibet).
Näheres unter: www.danielwinkler.com.

5. Alte Heimat – neue Heimat
     Donnerstag 27. Oktober
     Film und Diskussion mit Puntsok Tsering Duechung

Was verbinden Tibeter/innen in Frankfurt kulturell mit ihrer alten und was mit ihrer neuen Heimat? Wir zeigen eine filmische Dokumentation über dieses Thema, konzipiert von Elke Hessel, gedreht von Puntsok Tsering und Patrick Hase. Anschließend stellen sich die Protagonisten und andere Tibeter den Fragen des Publikums.
Dies ist eine Veranstaltung im Rahmen der diesjährigen Interkulturellen Wochen in Frankfurt am Main 2011 unter dem Motto: „Zusammenhalten – Zukunft gestalten“.
Zeit: 19.30 - 21.00 |
Gebühren: 9 Euro ermäßigt 7 Euro

6. Peter Gäng im Tibethaus

Peter Gäng  ist endlich wieder ein Wochenende zu Gast im Tibethaus. Er lebt in Berlin, wo er Indologie, Philosophie und Sozialwissenschaften studierte und promovierte. Er forscht u.a. über den frühen tantrischen Buddhismus in Indien und dessen philosophischen Grundlagen.

Folgendes Programm ist geplant:

Abendvortrag: Freitag 28. Oktober
Gier, Hass, Verblendung: Befleckung oder Teil der Buddha-Natur?
Im Pali-Buddhismus heißt es über den Geist: Klares Licht ist dieser Geist, er ist von hinzukommenden Befleckungen (den so genannten Geistesgiften) verunreinigt. Im tantrischen Buddhismus dagegen sind Gier, Hass und Verblendung Teil der Buddha-Natur. Wie sollen wir das verstehen?
Zeit: 19.30 - 21.00 |
Gebühren:  9 Euro ermäßigt 7 Euro |

Wochenendseminar: Samstag 29. bis Sonntag 30. Oktober
Einführung in die indische Überlieferung und Geschichte des tantrischen Buddhismus  (mit Meditationsübungen)
Die Entwicklung des tantrischen Buddhismus soll genauer vorgestellt werden. Anhand von Vorträgen, Geschichten, Lektüre und Diskussion kurzer Stücke aus tantrischen Texten und gemeinsamen Meditationen sollen der Reichtum und die Vielfalt des tantrischen Buddhismus sichtbar und fühlbar werden.
Zeit: Samstag 10.00 - 18.00 | Sonntag 9.30 - 13.00 |
Gebühren| 75 Euro ermäßigt 45 Euro |

Zusätzlich am Sonntag, 17. 30
Religionswissenschaftlicher Diskurs: Die zwei (un-) gleichen Schwestern.
Hindu Tantra und tantrischer Buddhismus im Vergleich

Die Entwicklung des buddhistischen Tantra fand im indischen Kulturraum statt im direkten Austausch und gegenseitigen Beeinflussungen mit „hinduistischen“ tantrischen Strömungen. Es gibt viele Gemeinsamkeiten und einige wichtige, essentielle Unterschiede.
Zeit: 17.30 - 19. 30 | 9 Euro ermäßigt 7 Euro (Schüler und Studenten 5 Euro)

7. Café Philosophie – Kann es gelingen, die Angst vor dem Sterben zu verlieren?
   Donnerstag 3. November
   Professor Dr. Klaus Jork

Der Buddhismus kennt verschiedene Übungen, die geeignet sein können, die Angst vor dem Sterben zu verringern. Im tibetischen Buddhismus werden acht Phasen der Auflösung, vier grobstoffliche und vier feinstoffliche, unterschieden. Können sie uns die Angst vor dem Sterben nehmen?
Zeit: 19.00 - 20.30 |
Gebühren: Spende |

 

8. Neurobiologische Grundlagen der Spiritualität
    Samstag 5. November

Der bekannte Neurobiologe und Autor Professor Dr. Hüther wird an diesem Samstag erläutern, wie Leben als ein erkenntnisgewinnender und die gewonnenen Erkenntnisse in Strukturen verwandelnder Prozess verstanden werden kann. Neue Erfahrungen werden anhand dieser vorhandenen Strukturen interpretiert und in einem Erweiterungsprozess in neue Strukturen umgesetzt. Eine besondere Rolle spielt dabei der Prozess der Sozialisation.
Näheres: www.gerald-huether.de
Achtung: Für das Tageseminar liegen schon viele Anmeldungen vor. Bitte umgehend anmelden! 
10.00 - 13.00 | 14 bis 16 Uhr |
Gebühren: 45 Euro ermäßigt 45 Euro

Anschließend um 17.00: Film im Tibethaus: Bewältigungsstrategien gegen die Angst
Mitschnitt eines Vortrags des Göttinger Hirnforschers Professor Dr. Gerald Hüther, in dem er über Strategien gegen Angst spricht. Deutschland 2010. 120 min. © Nirvana Events
Der Film wird im Rahmen des Vorprogramms zum „Festivals des spirituellen Films“ gezeigt. 
Gebühren: 9 Euro ermäßigt 7 Euro |

9. Termine

  • 21.10. | Tibet in Frankfurt - „Wir sind dann mal weg“: Pilgern in Tibet | Lichtbildvortrag und Diskussion | Elke Hessel | 19.30 - 21.00 Uhr |
  • 22.10. - 23.10. | Grundlagenstudium | Dr. Birgit Schweiberer |
  • 22.10. | Meditation für die neun Opfer der Selbsttötungen | 18.30 |
  • 27.10. | Alte Heimat – neue Heimat | Puntsok Tsering | 19. 30 - 21. 00 |
  • 28.10. | Gier, Hass und Verblendung und die Buddhanatur | Vortrag von Peter Gäng 19. 30 - 21.00 |
  • 29.10. - 30.10. | Entwicklung des Tantrischen Buddhismus | Peter Gäng | Samstag 10.00 - 13.00 + 15.00 - 18.00 | Sonntag 9.30 - 13.00 |
  • 30.10. | Religionswissenschaftlicher Diskurs | Hindu Tantra und tantrischer Buddhismus | Peter Gäng | 17.30 |
  • 30.10. | Lamrim im Alltag | Studiengruppe | Andreas Ansmann, Dr. Renata Burghardt, Frank Hofmann | 18-20Uhr |
  • 31.10. | MBSR Stressbewältigung durch Achtsamkeit nach Prof. Jon Kabat-Zinn | 8-Wochen-Programm | Christian Stocker | jeweils montags, 18.30 bis 21.00 |
  • 3.11. | Cafe Philosophie – Kann es gelingen, die Angst vor dem Sterben zu verlieren? | Professor Dr. Klaus Jork |
  • 5.11. | Neurobiologische Grundlagen der Spiritualität | Tagesseminar | Prof. Dr. Gerald Hüther | 10.00 - 13.00 und 14.00 - 16.00 |
  • 5.11. | Film im Tibethaus. Bewältigungsstrategien gegen die Angst | Mitschnitt eines Vortrags des Göttinger Hirnforschers Professor Dr. Gerald Hüther | 17.00 - 19.00 |
  • 6.11. | Das Rad der scharfen Waffen – Dharmarakshita | Seminar | Geshe Ngawang Thapkhe | 10.00 - 17.00 |
  • 6.11. | Film im Tibethaus | Buddha begegnen. An den heiligen Orten in Nepal und Indien | 18.00 - 19.30 |

10. Zitat der Woche

Treibe doch nur recht das Deine,
Frag' nicht, was der Nachbar thut;
Macht ein jeder gut das Seine,
Steht es mit dem Ganzen gut.

Heinrich Jäde, (Lebensdaten nicht genau bekannt), Schriftsteller des 19. Jahrhunderts