11.03.2011

Ausgabe 11.03.2011

Das Tibethaus

Das Tibethaus Deutschland ist ein Kulturinstitut, das sich den buddhistischen Prinzipien der Toleranz und Offenheit verpflichtet fühlt.
Tibetinteressierte, BuddhistenInnen genauso wie Nicht-BuddhistenInnen, finden hier einen Ort, an dem sie buddhistische Philosophie und Praxis, Heilkunde, Gesellschaftsrelevantes, Wissenschaftliches, sowie die alte und moderne Kultur Tibets kennenlernen und erfahren können.

 

Themenübersicht

Nachrichten:
1. Das Tibetische Neujahr 2138 - das Jahr des Eisen-Hasen - hat begonnen
2. Erklärung Seiner Heiligkeit des Dalai Lama
3. Bhutan-Tag 2011
4. Neue Thangkas im Tibethaus-Shop
5. Dagyab Rinpoche in Nijmegen

Programm:
6. Moderne Marktwirtschaft und buddhistische Wirtschaftsethik
7. Die soziokulturellen Faktoren bei der Entwicklung der öffentlichen Gesundheit in Tibet
8. Yoga Intensiv
9. Vernissage im Tibethaus
10. Termine
11. Zitat der Woche

1. Das Tibetische Neujahr 2138 -  das Jahr des Eisen-Hasen - hat begonnen

Wir wünschen allen Freunden des Tibethauses ein glückliches, gesundes und erfolgreiches neues Jahr!

Sang-Opferritual vor dem Tibethaus zusammen mit tibetischen und mongolischen Freunden


Nachdem am Donnerstag dem 3. März im Tibethaus wieder zahlreiche Helfer/innen alle Räume gründlich geputzt hatten, gab es - wie jedes Jahr wieder - zum Dank die berühmt - berüchtigte Orakelsuppe (Gutuk), die unter Anleitung von Puntsok hergestellt worden war. In einigen der selbstgemachten Nudeln steckten kleine Zettel mit Hinweisen auf das kommende Jahr. Manche Zeichen -wie z.B. "Schwarze Kohle" bedeuten, dass man an der Entwicklung eines "guten Herzens" arbeiten muss, andere dagegen, wie z.B. "der Hase", können nur Gutes bedeuten (unter uns: den Hasen hatte unsere Office Managerin, Daniela, in der Nudel…).
Der Höhepunkt war wieder abschließend das rituelle Vertreiben aller Negativitäten, die von den Teilnehmern lautstark nach draußen verscheucht wurden.

Am Sonntag fanden sich dann am späten Vormittag an die fünfzig Teilnehmer ein, die mit uns zusammen das Losar-Fest begehen wollten. Darunter waren zu unserer großen Freude auch einige tibetische und mongolische Freunde und viele Kinder. Zunächst haben wir gemeinsam unter Anleitung von Andreas Tsöndrü im Lhakang das Herz-Sutra, eine Chenresig-Puja und das Langlebensgebet für den Dalai Lama rezitiert. Jeder, der wollte, brachte einen Katak dar und nahm Tsampa und geröstete Gerste vom Neujahrsaltar (dieser wird übrigens noch bis zum Sonntag, den 13. März zu bewundern sein!). Anschließend wurden vor dem Tibethaus neue Gebetsfähnchen aufgehängt und ein traditionelles Sang-Opfer dargebracht. Danach wurde das reichlich bestückte Losar-Buffet eröffnet und gemeinsam geschmaust und erzählt. Wir alle finden, dass es eine runde, gelungene Veranstaltung war und freuen uns schon auf das nächste Jahr!

2. Erklärung Seiner Heiligkeit des Dalai Lama
zum 52. Jahrestag des tibetischen Aufstands und zugleich anlässlich des dritten Jahrestages der Demonstrationen, die 2008 überall in Tibet stattfanden.

Achtung: Wir drucken die Erklärung hier in einer stark verkürzten Version und mit zusammenfassenden Überschriften versehen ab. Die vollständige Erklärung des Dalai Lama findet sich in englischer Sprache unter: www.dalailama.com

Appell an China, mehr Demokratie zu wagen
China ist das bevölkerungsreichste Land der Erde und auf dem Weg zur Weltmacht. S.H.   bewundert Chinas wirtschaftliche Entwicklung und sein enormes Potenzial, einen Beitrag zum menschlichen Fortschritt und zum Weltfrieden zu leisten. Meinungsfreiheit und Pressefreiheit sind von elementarer Bedeutung, damit China die Achtung und das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft gewinnt. S.H. begrüßt auch, dass eine zunehmende Zahl von chinesischen Intellektuellen zu politischen Reformen und größerer Offenheit aufgerufen hat.


Appell an China, die kostbare tibetische Sprache und Kultur zu schützen

In der chinesischen Verfassung ist der Schutz der Sprache und Kultur jeder Nationalität verankert. Tibetisch ist die einzige Sprache, in der das gesamte Spektrum der buddhistischen Lehren  bewahrt wurde, einschließlich der Texte über Logik und Erkenntnistheorie, übernommen von der Nalanda-Klosteruniversität in Indien. Gerade diese Texte besitzen das Potenzial, zum Frieden und zum Glück aller Wesen beizutragen. Eine Politik, die dieses Potential ignoriert, bedroht auf lange Sicht das Erbe der Menschheit.


Appell an China, mehr Vertrauen in die Tibeter zu setzen

In den letzten Jahren sind viele aufrechte tibetische Intellektuelle und Umweltschützer bedroht und verhaftet worden. Eigentlich sind alle Tibeter ständigem Druck und Überwachung ausgesetzt, wie immer wieder von chinesischen und ausländischen Besuchern bestätigt wird. Diese Politik trägt nicht zur Stabilität in Tibet bei.


Appell an China, wieder eine realistische Haltung zu kultivieren

In den fünfziger Jahren wurde unter der Führung Maos das so genannte 17-Punkte-Abkommen mit Tibet unterzeichnet. Unter Hu Yaobang herrschte Anfang der achtziger Jahre ein ähnlich realistischer Geist. Hätte sich diese realistische Haltung fortgesetzt, dann hätten die Tibet-Frage und andere Probleme leicht gelöst werden können. Bedingt durch die wieder bestehende konservative politische Haltung hat sich jedoch das Problem nach über sechs Jahrzehnten nur noch weiter verfestigt.


Appell an China, offizielle Besuche in Tibet wieder zu gestatten

S.H. der Dalai Lama schlägt vor, wieder Delegationen von Exiltibetern sowie Vertreter unabhängiger internationaler Institutionen nach Tibet entsenden zu können.


Appell an China, den Umweltschutz ernst zu nehmen

Auf dem tibetischen Hochland entspringen die größten Flüsse Asiens, auch wird es oft als der "dritte Pol" bezeichnet aufgrund der vielen Gletscher. Umweltzerstörungen in Tibet wirken sich auf große Teile Asiens und besonders auf China und den indischen Subkontinent schädlich aus. Es müssen umgehend nachhaltige Maßnahmen zum Schutz der Umwelt und der Menschen getroffen werden.


Appell an China für Gewährung von echter Autonomie

Im Bemühen um eine Lösung der Tibet-Frage ist die Haltung der Exiltibeter die Idee des "Mittleren Weges", also die Umsetzung einer Autonomie für das tibetische Volk im Rahmen der VR China. Das Ausbleiben jeglicher positiven Reaktion der chinesischen Regierung auf die vernünftigen Vorschläge lässt die Frage aufkommen, ob diese Vorschläge korrekt und in vollem Umfang an die höheren Stellen weitergeleitet wurden.
 
Appell an Tibeter und Chinesen zu Verständnis und Freundschaft

Die jahrhundertealte Freundschaft zwischen den Tibetern und Chinesen darf durch die momentanen Differenzen nicht beeinträchtigt werden. So wie im Ausland sollten die Tibeter auch innerhalb Tibets gute Beziehungen mit den chinesischen Brüdern und Schwestern pflegen.


Reform der politischen und sozialen Struktur Tibets und Übertragung der Machtbefugnisse Heute werden im Rahmen der Verfassung der Tibeter im Exil der Premierminister (Kalön Tripa) sowie die Volksvertreter direkt vom Volk gewählt. S.H. der Dalai Lama betont, dass die Tibeter einen vom tibetischen Volk frei gewählten Führer brauchen, auf den er seine Machtbefugnisse übertragen kann, und er sieht die Zeit dafür gekommen. Auf der anstehenden 11. Sitzung des Tibetischen Parlaments-im-Exil wird er den Antrag stellen, in der Verfassung der Tibeter im Exil die erforderlichen Änderungen vorzunehmen. Er betont aber auch, dass er sich weder seiner Verantwortung entziehen wolle noch den Mut verloren habe. Im Gegenteil, der Schritt würde auf lange Sicht den Tibetern eher nützen!

3. Bhutan-Tag 2011

Die Deutsche Bhutan Himalaya Gesellschaft e.V. veranstaltet ihren jährlichen Bhutan-Tag am 26. März 2011 im Japanischen Kulturinstitut in Köln. Das diesjährige Thema lautet: die 13 traditionellen Handwerkskünste Bhutans. Weitere Infos finden sich unter: www.bhutan-gesellschaft.de

4. Neue Thangkas im Tibethaus-Shop


Weiße Tara


Eine wunderschöne Lieferung von Thangkas aus der Kunsthandwerkschule in Magön, Region Dagyab in Osttibet, ist in unserem Tibethaus-Shop eingetroffen. Unser Shop-Manager Martin Brüger hat eine PDF mit allen neuen Thangkas zur Ansicht zusammengestellt, die in den nächsten Tagen auf der Startseite der Homepage zu finden sein wird. Die Thangkas können aber auch gerne zu den Öffnungszeiten des Shops "konkret" angeschaut und natürlich auch gerne erworben werden.

5. Dagyab Rinpoche in Nijmegen


Von Donnerstag, 31. März bis Sonntag 3. April wird Rinpoche das Jewel Heart Zentrum in Nijmegen besuchen. Rinpoche wird eine Guhyasamaja-Ermächtigung mit 32 Gottheiten geben. Danach gibt es einen kurzen Kommentar zur Praxis dieser Gottheit.
Nähere Informationen unter: www.jewelheart.nl

6. Moderne Marktwirtschaft und buddhistische Wirtschaftsethik
    Freitag 11. März
    Vortrag von Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck

An den Börsen und in den Medien werden gezielt Illusionen geweckt, spekulative Gewinne gefeiert und anschließende Krisen verzweifelt zur Kenntnis genommen - die globale Wirtschaft ist komplett abhängig vom Spiel der internationalen Geldmärkte. Scheinbaren Sachzwängen gehorchend werden dabei Armut und Elend in vielen Teilen der Welt in Kauf genommen. Der Vortrag des bekannten Wirtschaftsethikers Brodbeck, der übrigens auch Beiratsmitglied des Tibethauses ist, zeigt, wie sich diese Phänomene auf der Grundlage der buddhistischen Philosophie der Täuschung erklären lassen. 
Zeit | 19.30 bis 21 Uhr |

7. Die soziokulturellen Faktoren bei der Entwicklung der öffentlichen Gesundheit in Tibet

    Lichtbildvortrag von Dr. Minkyi Tsomo

    Donnerstag 17. März
 
Die in Oxford lebende tibetische Ärztin Minkyi Tsomo stellt einige der Inhalte ihrer Doktorarbeit vor und beleuchtet die gesundheitliche Situation der tibetischen Bevölkerung auf der Basis von klinischen und ethnographischen Fallstudien. Sie beschreibt auch, wie die aktuelle medizinische Versorgung verbessert werden könnte, wenn man die tibetische philosophische und medizinische Tradition mit in die Planung einbeziehen würde. Dieser Vortrag ist für alle die wichtig, die realistische Insider-Informationen über das heutige Tibet erhalten wollen. Anschließend können die Teilnehmer Fragen stellen.

Achtung: der Vortrag wird in englischer Sprache stattfinden. Dr. Tsomo wird anschließend einige Tage in Frankfurt bleiben; wenn sie jemand persönlich kontaktieren möchte, der melde sich bitte bei Puntsok Tsering: tsering(at)tibethaus(dot)com.
Zeit:19.30 bis 21.00 Uhr |

8. Yoga Intensiv
Seminar von Corina Aguilar-Raab
Sonntag, 20. März

In diesem Yoga-Intensiv Kurs werden sowohl die Theorie und die Praxis des Yoga vertieft. An diesem Sonntagnachmittag werden die Inhalte der Hatha-Yoga-Pradipika vorgestellt und diskutiert. Während der anschließenden Praxis werden einzelne Asana und ihre Variationsmöglichkeiten kenngelernt und geübt. Theorie und Praxis werden entsprechend der Tradition nach Krishnamacharya, Desikachar und Sri Ram durchgeführt. Dieser Kurs ist für Einsteiger und Fortgeschrittene geeignet. Bitte bequeme Kleidung mitbringen und sich rechtzeitig anmelden!
Zeit: 17 - 19 Uhr |

9. Vernissage im Tibethaus, Kalligrafie im Dialog: China-Iran-Tibet

    Freitag, 25. März


In dieser Ausstellung soll das Gemeinsame und das kulturell Spezifische der Künstler aufgezeigt werden. Die drei Künstler stammen aus China, dem Iran und Tibet. Es sind alles Kulturen, in denen die Kalligrafie-Kunst eine lange Tradition hat. Vertreten sein werden: Wang Ning aus der V.R. China, Hadi Alizadeh aus dem Iran, Puntsok Tsering Duechung aus Tibet. Zu unserer Freude hat uns das Amt für multikulturelle Angelegenheiten Unterstützung gewährt. Außerdem ist es uns eine besondere Ehre, dass die Stadträtin Dr. Nargess Eskandari-Grünberg die Eröffnungsrede anlässlich der Vernissage zur Ausstellung halten wird. Ausserdem wird es eine musikalische Darbietung von Herrn Alizadeh und "Chinesisches-Iranisches-Tibetisches-Fingerfood" geben.

Wir würden uns sehr freuen, möglichst viele Tibethaus-Freundinnen und -Freunde persönlich auf der Vernissage begrüßen zu können!! Eine persönliche Einladung wird an alle Mitglieder noch versendet werden.
Zeit: 19.30 Uhr |

10. Termine

  • 11.März Moderne Marktwirtschaft und buddhistische Wirtschaftsethik | Vortrag | Prof. Dr. Karl-Heinz Brodbeck | 19:30 - 21:00 |
  • 12.März - 13.März Aufbaustudium - Madhyamakavatara von Chandrakirti | Aufbaustudium | Dr. Birgit Schweiberer | 10:00 - 18:00 |
  • 17.März Die soziokulturellen Faktoren bei der Entwicklung der öffentlichen Gesundheit in Tibet | Lichtbildvortrag | Dr. Minkyi Tsomo | 19:30 - 21:30
  • 18.März - 20.März Die Sieben Kostbaren Dharmas, Teil III | Seminar mit Segensermächtigung | S.E. Dagyab Rinpoche | 19:30 - 13:00 |
  • 20.März Yoga Intensiv | Seminar| Corina Aguilar-Raab | 17:00 - 19:00 |
  • 24. März - 29. März Kriyatantra Studienretreat | Studienretreat | Dr. Cornelia Weishaar- Günter, Roland Schönwitz | 15:00 - 13:00 |
  • 25. März Vernissage im Tibethaus: Kalligraphie im Dialog: China-Iran-Tibet | 19:00 - 21:00 |
  • 26. März - 27. März Grundlagenstudium | Dr. Birgit Schweiberer | 10:00 - 18:00 |
  • 31. März "Altruism and Compassion in Economic Systems" Session 3a | Vortragsmitschnitte und Diskussion | Moderation Annette Kirsch und Ingrid Haas | 19:30 - 21:30 |

11. Zitat der Woche

"Jede Erkenntnis ist eine Folge von tausenderlei Sinneseindrücken, und es gibt keine ordnende, gleichsam regierende Instanz in uns, die alle empfundenen Ich-Momente zu einer festen Identität zusammenfügt."

David Hume (schottischer Philosoph, zitiert aus seinem "Treasure of Human Nature", erschienen 1739/40, in London, entdeckt in DIE ZEIT, 11/11)