30.09.2010

Ausgabe 30.09.2010

Das Tibethaus

Das Tibethaus Deutschland ist ein Kulturinstitut, das sich den buddhistischen Prinzipien der Toleranz und Offenheit verpflichtet fühlt.
Tibetinteressierte, BuddhistenInnen genauso wie Nicht-BuddhistenInnen, finden hier einen Ort, an dem sie buddhistische Philosophie und Praxis, Heilkunde, Gesellschaftsrelevantes, Wissenschaftliches, sowie die alte und moderne Kultur Tibets kennenlernen und erfahren können.



Themenübersicht

Nachrichten:

1. Dagyab Rinpoche in Frankfurt
2. Dagyab Rinpoches Homepage ist online
3. Karma - Gericht - Erlösung
4. S.H. der XIV. Dalai Lama in Budapest
5. S.H. der XIV. Dalai Lama erhält in Passau den MiE-Award 2010
6. Vierte Nepalesisch-Tibetische Tourismuskonferenz

Programm:

7. Yoginis und Göttinnen im Tantrischen Buddhismus
8. Kurukulle, die zornvolle Tara II
9. Nyung Neh - Fastenretreat
10. Termine
11. Zitat der Woche

1. Dagyab Rinpoche in Frankfurt

 

Tibethaus 25.Sept.2010

Letztes Wochenende hat S.E. Dagyab Rinpoche Unterweisungen zum essenziellen Lamrim Text von Atisha "Juwelenkranz der Bodhisattvas" gegeben und am Sonntag einen Buddha Sakyamuni Jenang.

Ca. 120 Deutsche (und Holländer) sowie 30 Landsleute von Rinpoche aus Dagyab, die aus Belgien, Holland und der Schweiz angereist waren, nahmen an der Veranstaltung, die aufgrund der vielen Teilnehmer ins Ökohaus ausgelagert wurde, teil.

Am Samstagabend führten die Dagyabpas für Rinpoche, aber auch für die Mitarbeiter des Tibethauses und einige enge Schüler traditionelle Tänze auf. Es war wieder eine große Freude, so viele Tibeter bei uns im Tibethaus zu haben, wenn gleich auch eine echte logistische Herausforderung.

2. Dagyab Rinpoches Homepage ist online

Der Internetauftritt Dagyab Rinpoches und seiner vielfältigen Aktivitäten ist jetzt online gestellt. Die Homepage ist viersprachig angelegt: Deutsch, Englisch, Tibetisch und Chinesisch. Es sind zwar noch längst nicht alle Texte eingepflegt, geschweige denn in alle Sprachen übersetzt, aber schon jetzt ist es eine Freude, die Seiten anzuschauen. Einige Schüler/innen von Rinpoche (u.a. Anna Lutz, Annette Kirsch) haben die Texte geschrieben, Elke Hessel hat die Koordination und die Auswahl der Fotos übernommen. Für die Übersetzungen zuständig sind  Jinpa Lhamo, Jamie Looi und Puntsok Tsering. Die größte Arbeit hatte Christian Stocker, der die Gestaltung übernommen hat. Er hat eine konzeptionell gut durchdachte und optisch sehr schöne Homepage geschaffen. Ihm sei ein besonderer Dank ausgesprochen!

3. Karma - Gericht - Erlösung
    Buddhistische und christliche Lehre im Gespräch 

    Ein Thementag im Haus am Dom 
    Bericht von Annette Kirsch

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem, was ich tue, und dem, was mir widerfährt? Und wie ließe er sich beschreiben? Christentum und Buddhismus geben unterschiedliche Antworten auf diese Frage. Die verschiedenen Konzepte zu beleuchten und besser zur verstehen, war Ziel eines gut besuchten Thementags im wunderschönen Frankfurter Haus am Dom.  

Im Eröffnungsvortrag beleuchtete der Religionssoziologe Dr. Christian Ruch den Zusammenhang von Karma und Kontingenz ("Kontingent ist etwas, was weder notwendig ist noch unmöglich ist" - Niklas Luhmann) und erläuterte, warum der Begriff des Karma für moderne Menschen attraktiv sei. Im Anschluss erklärte Dr. Alfred Weil, Ehrenrat der DBU, in leicht verständlichen Worten die Karma-Lehre aus buddhistischer Sicht. Die christliche Lehre von Gericht und Erlösung legte anschließend der Leiter der Katholischen Akademie Rabanus Maurus, Prof. Dr. Joachim Valentin, dar. Den Abschluss bildete eine Podiumsdiskussion mit reger Beteiligung des Publikums. Aufgelockert wurde der Tag durch Frage-und-Antwort-Runden sowie eine buddhistische und eine christliche Meditation.  

Die ganze Veranstaltung war geprägt von aufrichtigem Interesse an den jeweils anderen Konzepten und einem fruchtbaren Austausch über Voraussetzungen und Konsequenzen der verschiedenen Überzeugungen. Die Organisatoren - eine Gruppe aus katholischen und evangelischen Theologen sowie buddhistischen Vertretern des Tibethauses und der Pagode Phat Hue - werden sich schon bald wieder treffen, um den nächsten Thementag vorzubereiten. 

4. S.H. der XIV. Dalai Lama in Budapest
     
Bericht von Tamara von Rechenberg

Nach 10 Jahren reiste Seine Heiligkeit wieder nach Ungarn, hielt am 18. und 19. September 2010 in der Papp László Budapest Sport Arena Vorträge zur Einführung in den tibetischen Buddhismus und gab eine Chenrezig Ermächtigung. Die Veranstaltung endete mit einer öffentlichen Unterweisung und einem Gespräch über das Thema Mitgefühl.
Seine Heiligkeit betonte die Wichtigkeit der ethischen Werte und wie jeder durch Mitgefühl und positives Denken inneren Frieden erreichen kann.

Eingeladen hatten die Tan Kapuja Buddhistische Gemeinschaft und Hochschule, die Buddhistische Mission, die Ungarische Arya Maitreya Mandala Gemeinschaft sowie die ungarische Dzogchen-, Karma-Kagyupa- und Drikung-Gemeinschaft. Mit organisiert wurde die Veranstaltung vom
RIME-Zentrum, der Tsongkhapa-Stiftung und dem Verein der in Ungarn lebenden Mongolen.

Am Montag nach der Veranstaltung hielt Seine Heiligkeit eine 40-minütige Rede im Sitzungssaal des prächtigen neugotischen Baus des Parlamentsgebäudes, welcher als Sitz des ungarischen Parlaments dient und das Symbol der Stadt Budapest darstellt.  Seine Heiligkeit sprach hier vor
den Abgeordneten des Ungarisch-Tibetischen Freundeskreises vor allem über die Fragen der tibetischen Autonomie und das Leben im Exil.

Im Anschluss daran gab es für alle weltweit angereisten Journalisten eine Pressekonferenz, an der auch die Parlamentsmitglieder teilnahmen. Die  Papp László Budapest Sport Arena war an allen Tagen ausverkauft.  22.000 Menschen konnten Seine Heiligkeit sehen und hören. Das Programm
wurde live und kostenlos ins Internet übertragen. Man geht davon aus, dass mehr als 100.000 Menschen auf der ganzen Welt die Worte Seiner Heiligkeit an diesem Wochenende hören konnten.

5. S.H. der XIV. Dalai Lama erhält in Passau den MiE-Award 2010

    Bericht von Tamara von Rechenberg



© Tamara von Rechenberg


Am 21. September hat der XIV. Dalai Lama als Ehrengast in Passau den "Menschen-in-Europa" Award feierlich verliehen bekommen.
Die Auszeichnung wurde dem Dalai Lama für "sein vorbildliches Wirken" im Beisein des ehemaligen hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch im Namen der Verlagsgruppe Passau von der Verlegerin Angelika Diekmann unter minutenlangem Beifall überreicht. Der Dalai Lama steht als Symbol für Toleranz und erhielt diese Auszeichnung mit der Begründung, dass kein anderer in unserer Gesellschaft so geduldig, beharrlich und eindrücklich einen friedlichen Weg aufzeigt, der zum Ziel führt.  Dr. Franz Alt, Publizist und Autor sowie ein alter Freund  Seiner Heiligkeit, hielt die Eröffnungsrede und fasste die sechs Grundprinzipien des "prominentesten Flüchtlings" der Welt auf eindrucksvolle Weise zusammen, ergänzt mit persönlichen Erfahrungen und Anekdoten, die er mit dem Dalai Lama in all den Jahren erlebt hat.
Vor der letztendlichen Festrede des Dalai Lama spielten zwei 6- und 8-jährigen Kinder in Tracht auf der "Steirischen" Harmonika bayerische Volksmusik vom Feinsten. Seine Heiligkeit hatte viel Freude daran, überreichte ihnen anschließend einen Katak, für den sie sich prompt mit zwei "Busserl" bedankten.

6. Vierte Nepalesisch-Tibetische Tourismuskonferenz

In Lhasa hat Mitte September die vierte Nepalesisch-Tibetische Tourismuskonferenz stattgefunden.
Laut einer Pressemitteilung des Nepalesischen Tourismusvereins wird das Jahr 2011 in Nepal als "Jahr des Tourismus" ausgerufen. In einem Memorandum wurde verankert, dass auch in der Autonomen Region Tibet  dieses "Jahr des Tourismus"  u.a. in den Medien verbreitet wird. Außerdem werden in Zukunft regelmäßige Helikopterflüge von Nepal zum Kailash erlaubt sein, die Visaausstellung von Tibet-Visa von Kathmandu aus erleichtert werden, sowie mehr chinesische Fluggesellschaften Flüge zwischen Lhasa und Kathmandu anbieten.

7. Yoginis und Göttinnen im Tantrischen Buddhismus

Der Berliner Indologe und Autor Peter Gäng wird am Freitag, dem 1. 10., um 19.30 Uhr im Tibethaus - wie schon angekündigt - einen Vortrag über ein hochinteressantes Thema innerhalb des tantrischen Buddhismus aus wissenschaftlicher Sicht halten:  Cinta und Laksminkara - zwei tantrische Yoginis

In dem Zusammenhang möchten wir auch auf seine schriftstellerischen und publizistischen Aktivitäten hinweisen. Er hat seinen Arbeitsschwerpunkt im Buddhistischen Studienverlag, der buddhistische Quellentexte, Studientexte und fachwissenschaftliche Veröffentlichungen herausgibt. Zum tantrischen Buddhismus hat er mehrere Texte im Buddhistischen Studienverlag in der Reihe "Form ist Leere - Leere Form" veröffentlicht, im Theseus-Verlag ein Buch zum Tantrischen Buddhismus und im Diederichs Verlag eine Übersetzung des Guhyasamaja-Tantra.

Eine aktuelle Publikation des buddhistischen Studienverlages ist die des  2006 verstorbenen berühmten Tibetologen Herbert Guenther: Göttliche und Dämonische Dimensionen des Weiblichen, Ral-gcig-ma und Mukhale. Zwei Göttinnen des tantrischen Buddhismus, Berlin 2010.

Eine genaue Buchbesprechung folgt im nächsten Tibethaus Journal.

8. Kurukulle, die zornvolle Tara II
    Ermächtigung und Kommentar 
    Lodrö Tulku

Lodrö Rinpoche aus der Schweiz ist wieder Gast im Tibethaus.
Er wird eine Segens-Ermächtigung und Kommentarunterweisungen in Kurukulle, eine zornvolle Form der Tara (tib. Rigdjema) gewähren.
Kurukulle verkörpert die Qualität zur Vermehrung von Glück, spirituellem und materiellem Reichtum. Freitagabend wird Lodrö Tulku als erstes die Ermächtigung geben.
Samstag und Sonntag wird Rinpoche die Praxis an Hand des Sadhana Textes erläutern.
Teilnahmevoraussetzung für die Veranstaltung ist die Ermächtigung in eine Gottheit des Annutara-Yoga-Tantra.
Schriftliche Anmeldung bis zum 5. 10. wird erbeten!
Zeit | Freitag 19.30 bis 21 Uhr | Samstag 10 bis 13 Uhr + 15 bis 18 Uhr | Sonntag 9.30 bis 13 Uhr
Kosten | Mitglieder 60 Euro | Nicht-Mitglieder 100 Euro

9. Nyung Neh - Fastenretreat
   
Donnerstag 21. - Sonntag 24.10.2010

Ein Nyung Neh ist eine besonders kraftvolle und inspirierende Praxis zur Reinigung und Entwicklung von Mitgefühl, die sich auf den Tausendarmigen Avalokiteshvara bezieht. Ablauf: vorabendliche Einführung in die Praxis, an beiden Praxistagen je vier Meditationssitzungen, am letzten Tag ein gemeinsames Frühstück (Fastenbrechen).
Teilnahmevoraussetzung: Buddh. Zufluchtnahme, Meditationserfahrung, psychische und physische Stabilität.
Dharmatutor Robert Jandaka leitet seit vielen Jahren Nyung Neh Fastenretreats.
Achtung: Dieser Kurs ist sehr organisationsintensiv. Deshalb: Um Anmeldung bis zum 15. Oktober im Tibethaus-Büro wird gebeten.

Leitung | Robert Jandaka
Ort  | TARA MANDALA e.V. (Dieter Kratzer) in Landau/ Isar |  www.tara-mandala.de
Zeit | Donnerstag 19.30 Uhr bis Sonntag 10 Uhr
Kosten | Mitglieder 50 Euro | Nicht-Mitglieder 75 Euro, zzgl. Übernachtung

10. Termine

  • 01.10. | Cinta und Laksminkara - zwei tantrische Yoginis | Vortrag| Peter Gäng | 19:30 - 21:30 |
  • 02.10. - 03.10. | MBSR Stressbewältigung durch Achtsamkeit nach Prof. Jon Kabat-Zinn | Seminar | Angelika Wild-Regel |
  • 08.10. - 10.10. | Kurukulle - die rote Tara | Seminar | Lodrö Tulku Rinpoche |
  • 10.10. | Yoga Intensiv Praxis | Kursleitung | Corina Aguilar-Raab | 16:30 - 18:30 |
  • 14.10. - 19.10. | Grundlagen der Vollendungsstufenpraxis in Verbindung mit Vajrayogini | Studienretreat | Dr. Cornelia Weishaar-Günter, Roland Schönwitz |
  • 22.10. | Buddhismus und Neurologie im Dialog | Oliver Petersen, Professor Vogeley | 19:00 - 21:30 |

11. Zitat der Woche

"Um die Welt politisch, ökonomisch und sozial zu verändern, müssen wir den Sinn anders begreifen. Dieser Wandel muß aber im Individuum beginnen; für den einzelnen selbst muß sich der Sinn ändern...."

David Bohm (Physiker)