07.12.2010

Ausgabe 07.12.2010

Das Tibethaus

Das Tibethaus Deutschland ist ein Kulturinstitut, das sich den buddhistischen Prinzipien der Toleranz und Offenheit verpflichtet fühlt.
Tibetinteressierte, BuddhistenInnen genauso wie Nicht-BuddhistenInnen, finden hier einen Ort, an dem sie buddhistische Philosophie und Praxis, Heilkunde, Gesellschaftsrelevantes, Wissenschaftliches, sowie die alte und moderne Kultur Tibets kennenlernen und erfahren können.



Themenübersicht

Nachrichten:
1. Päl Lhamo Ritrö - Das Fest zu Ehren der Stadtgöttin von Lhasa
2. Ganden Ngachö - Lichterzeremonie
3. Tibethaus Shop
4. Neuerscheinung

Programm:
5. Yoga Intensivkurs
6. Einführungsabend MBSR
7. Avalokiteshvara Kurzretreat im Tibethaus
8. "Füttern der Dämonen" Prozess
9. Termine
10. Zitat der Woche

1. Päl Lhamo Ritrö - Das Fest zu Ehren der Stadtgöttin von Lhasa
 

 


Seit Jahren besuche ich immer, wenn ich in Lhasa bin, in den ersten Tagen den Jokhang, den über 1300 Jahre alten, im Herzen der Altstadt gelegenen Stadttempel. Dort befindet sich im ersten Stock, in einer kleinen, offenen Kapelle gelegen, die überlebensgroße Statue der Göttin Päl Lhamo. Sie ist die halbzornvolle Form der dunkelblauen, furchterregenden Schützerin Tibets Pälden Lhamo. Zur gleichen Zeit wird sie als Stadtgöttin von Lhasa verehrt. In der gemalten Form, wie sie auf einigen wenigen Wandmalereien zu finden ist, wird sie in weißer Körperfarbe dargestellt. Die linke Hand hält eine juwelengefüllte Schale, die rechte umfasst einen Pfeil, an den ein Banner und ein Spiegel gehängt worden sind. Die Augen sind ekstatisch aufgerissen, der leicht geöffnete Mund zeigt Fangzähne. Rechts neben der Statue der Göttin befindet sich eine zweite Statue, die jedoch das ganze Jahr verhüllt ist. Unter den Brokattüchern verbirgt sich eine "Froschköpfige" Form der

Stadtgöttin, die so genannte "Lhamo dragmo". Sie wird nur an einem einzigen Tag im Jahr der Öffentlichkeit gezeigt, am Vollmondtag des 10. Tibetischen Monats.

Vor 1959 wurde die Statue an diesem Tag unter großer Anteilnahme der Bevölkerung einmal um den Barkhor, dem mittleren Umwandlungsweg, um den Jokhang Tempel getragen. Es muss ein riesiges Volksfest gewesen sein, an dem getanzt, gesungen und viel Chang (Gerstenbier) getrunken wurde.

Inzwischen wird die Statue der "Lhamo Dragmo" nur noch im Innenhof des Jokhangs gezeigt. Die Menschen - ganze Abordnungen von Dörflern aus Zentraltibet - stehen oft die ganze vorherige Nacht in Eiseskälte in kilometerlangen Schlangen an, um Einlass gewährt zu bekommen ins Allerheiligste und dann der Göttin ihre Aufwartung machen zu können.

Dieses Jahr fällt der Termin auf den 21. November. Die Stimmung im Jokhang Tempel ist an diesem Tag vollkommen verändert: sie ist ekstatisch, sehr kraftvoll. Überall haben sich Gruppen von Frauen und einigen wenigen Männern gebildet, die, in festlicher, traditioneller Kleidung, im Kreis oder Halbkreis tanzen, singen und dabei immer wieder aus kunstvoll verzierten Silberbechern Chang trinken. Der ehrwürdige, alte Tempel - voller goldener Buddhas - durch den die Pilger normalerweise, leise betend, ziehen -  ist komplett verwandelt.

Eine - vielleicht nur auf dem ersten Blick - "unbuddhistische", schamanische, archaische, sehr vitale Atmosphäre hat sich entfaltet. Mir persönlich kommt es so vor, als sei ein Stück der alten, vorbuddhistischen, tibetischen Kraft und Identität wieder an die Oberfläche gekommen.

Nur einige wenige Mönche sitzen am Rande des Hofes vor dem leeren Thron des Dalai Lama und führen jede halbe Stunde eine Puja durch, rezitieren, blasen die "Dung chen" (Hörner) und schlagen die große Trommel.

Die Menschen drängen sich den ganzen Tag über unablässig - in "Schach gehalten" von Polizisten und Mönchen - an der Statue der "Lhamo Dragmo" vorbei und werfen Kataks in ihre Richtung.

Die Statue ist äußerst imposant. Ihr Gesicht mit den großen, schwarz umrahmten Augen erinnert mich sehr an südindische Gottheitendarstellungen.  Sie trägt eine goldene Schädelkrone, die rechte Hand hält das Weisheitsschwert hoch erhoben. Die linke ist unter dem Brokatumhang verborgen. Ich frage die Mönche danach, was sie in ihrer Linken hält. "Nichts", antworten sie, "Die linke Hand existiert nicht mehr; sie ist in einem Krieg abgehackt worden."

Ich bin dankbar und glücklich, dass dieses Fest (der Laien) in Tibet weiterhin jedes Jahr mit großer Begeisterung gefeiert wird und würde mir wünschen, ein ähnliches zu Ehren der Göttin auch bei uns im Tibethaus etablieren zu können. Wer weiß, vielleicht gelingt es uns ja?

Elke Hessel (gerade aus Tibet/China zurückgekehrt)

2. Ganden Ngachö - Lichterzeremonie

Wie jedes Jahr wurde im Tibethaus - diesmal fiel der Termin auf den 1. Dezember - der sogenannte Tsongkhapa-Tag begangen. Dies ist der Gedenktag an den Tod dieses herausragenden Meisters und seinen Aufstieg nach Tushita (Ganden). Traditionell stellt man in Tibet an diesem Tag Butterlampen  ins Fenster, auf Dächer und Mauern und rezitiert gemeinsam Gebete. Im Tibethaus haben wir auch Kerzen angezündet, und Jampa Tsöndrü (Andreas Ansmann) hat die Lebensgeschichte Tsongkhapas zusammengestellt und vorgetragen.

3. Tibethaus Shop

Während des Kurses mit Dagyab Rinpoche am 10. - 12. Dezember wird der Shop im Tibethaus am Freitagabend und Samstag während der Mittagspause sowie Sonntag nach dem Kurs geöffnet sein. Er ist für etwaige Weihnachtseinkäufe reich gefüllt!

4.  Neuerscheinung

Im Tibethausverlag ist ein neues Buch von Dagyab Rinpoche, mit dem Titel "Tibetischer Buddhismus im Westen", erschienen. Diese sehr empfehlenswerten Texte beinhalten grundlegende buddhistische Themen, die Rinpoche speziell für uns Menschen im "Westen" dargelegt hat, ohne die eigentlichen Inhalte zu verwässern. Die genaue Kenntnis der deutschen (westlichen) Wirklichkeit, nach über 40 Jahren in Deutschland, macht dieses Buch zu einer Perle unter der Dharmaliteratur.

5. Yoga Intensivkurs  
    Sonntag, 12.Dezember

Zunächst werden wir uns mit einigen theoretischen Inhalten des indischen Yoga-Systems auseinandersetzen. Schwerpunktmäßig werden wir verschiedene Asanas dynamisch, im Fluss, statisch ausführend, üben. Die Praxis der Vorbeugung wird im Vordergrund stehen, abschließend auch Pranayama (Atemübungen) und Meditation.
Zeit | 16.30 Uhr bis 18.30 Uhr |
Kursleitung | Corina Aguilar-Raab |

6. "Füttern der Dämonen"- Prozess
     Freitag 17. Dezember

Der Fünf-Schritte-Prozess zum Nähren der Dämonen wurde von der buddhistischen Lehrerin Tsültrim Allione entwickelt und ist eine westlich psychologische Variante der alten tibetischen Chöd Praxis, wie sie von der tantrischen Lehrerin Machig Labdrön im 11.Jhdt gelehrt wurde. Die "Dämonen" sind unsere Schatten, die etwas anderes brauchen, als wir meinen. Durch das meditative Nähren können sie sich in eine positive Energie verwandeln, die, integriert statt abgespalten, uns "runder" werden lässt. Minka Hauschild, die von Tsültrim Allione autorisiert worden ist, wird die Leitung der Gruppe innehaben.
Zeit | 17.00 Uhr bis 21.30 Uhr |

7. Avalokiteshvara Kurzretreat im Tibethaus

   Samstag 18. und Sonntag 19.Dezember

An diesen beiden Tagen werden wir intensiv die Sadhana des vierarmigen Avalokiteshvara, der ein Buddha-Aspekt des allumfassenden Mitgefühls ist, praktizieren und dabei schwerpunktmäßig Mantras rezitieren. Die beiden Tage können der Beginn eines maßgeblichen Retreats sein, das dann individuell zu Hause fortgeführt wird. Weitere Details und Voraussetzungen finden sich auf der Homepage oder können im Büro erfragt werden. Um Anmeldung bis zum 10. Dezember wird gebeten.
Zeit | 10 Uhr bis 18 Uhr
Kursleitung | Birgit Justl und Martin Brüger

8. Einführungsabend MBSR 
    Stressbewältigung durch Achtsamkeit nach Prof. Jon Kabat-Zinn
    Montag, 20.Dezember

Der Abend ist daher für alle geeignet, die sich unverbindlich über MBSR informieren wollen oder die konkret über die Teilnahme an einem 8 Wochen Programm (Start 10.1.2011) nachdenken. Anregungen zur Integration in den Alltag sowie kurze Vorträge zur Stresslösung und Stärkung der eigenen Ressourcen werden mitgegeben. Anmeldung bitte bis zum 13. Dezember.
Zeit | 19.00 Uhr bis 20.30 Uhr |
Kursleitung | Christian Stocker |

9. Termine

  • 10.12. - 12.12. | Die Sieben Kostbaren Dharmas, Teil II | Seminar mit Segenseinweihungen S.E. Dagyab Rinpoche |
  • 12.12. | Yoga Intensiv Praxis | Kursleitung | Corina Aguilar-Raab | 16:30 - 18:30 |
  • 17.12. | "Füttern der Dämonen"- Prozess | Minka Hausschild | 17.00 - 21.30 |
  • 18.12 - 19.12. | Avalokiteshvara Praxis | Retreat | Martin Brüger und Birgit Justl |
  • 20.12. | MBSR - Stressbewältigung durch Achtsamkeit nach Prof. Jon Kabat-Zinn MBSR Einführungsabend | Christian Stocker | 19:00 - 20:30 |
  • 07.01. - 09.01.11 | Den Dämonen Nahrung geben | Minka Hauschild |
  • 10.01.11 | MBSR - Stressbewältigung durch Achtsamkeit nach Prof. Jon Kabat-Zinn Beginn des 8-Wochen-Programms | Christian Stocker | 18:30 - 21:00 |

10. Zitat der Woche

"Was müsste man mehr darüber sagen:

Die Kindischen arbeiten für ihr eigenes Wohl,

die Buddhas arbeiten für das Wohl anderer.
Sieh nur den Unterschied zwischen beiden!"

Shantideva