19.04.2007

Ausgabe: 19.04.2007

 

 

Themenübersicht

 

  1. Ankündigung: Dagyab Rinpoche zu Gast bei Jewel Heart, Nijmegen
  2. Ankündigung: Unterweisungen zum Bodhicāryavātara von Shāntideva
    mit S.E. Dagyab Kyabgön Rinpoche am 25. April
  3. Interview mit Phukhang Rinpoche und seiner Frau Dekyi
    1. Teil von Klemens Ludwig
  4. Wie übt man Geduld?
    Erster Teil der Unterweisungen durch Dagyab Rinpoche
    Bericht von Annette Kirsch
  5. Ankündigung: Dagyab Kyabgön Rinpoche im Tibethaus
    Unterweisungen vom 4. Mai bis 6. Mai
  6. Termine
  7. Zitat der Woche

1. Ankündigung: Dagyab Rinpoche zu Gast bei Jewel Heart, Nijmegen

Am 21. und 22. April wird Rinpoche eine Medizinbuddha-Einweihung in Holland geben. Jewel Heart ist das holländische Dharma-Zentrum von Gelek Rinpoche, der seit vielen Jahren in Amerika lebt und ein guter Freund von Rinpoche ist.
Nähere Informationen unter:
Jewel Heart Nederland, Hatertseveldweg 284, 6532 Nijmegen, 024 322 6985
www.jewelheart.nl

2.  Ankündigung: Unterweisungen zum Bodhicāryavātara von Shāntideva
mit S.E. Dagyab Kyabgön Rinpoche am 25.April

Bis zu den Sommerferien wird Dagyab Rinpoche monatlich Unterweisungen zum 6. Kapitel des Bodhicāryavātara, des "Eintritts in den Weg des Bodhisattva", geben, und zwar jeweils am letzten Mittwoch des Monats. Die Belehrungen bilden an diesem Abend den Schwerpunkt, anstelle der geleiteten Meditationen, die sonst mittwochs stattfinden. Wir beginnen den Abend mit 30 Minuten gemeinsamer Meditation, geleitet durch Birgit Justl und Martin Brüger, danach wird Rinpoche etwa 30 Minuten Unterweisungen zum Text geben und im Anschluss für Fragen zur Verfügung stehen.

Es handelt sich dabei um den berühmten Text, der im 8. Jahrhundert von dem großen indischen Gelehrten Shāntideva verfasst wurde. Er verbindet in einzigartiger Weise die Theorie des buddhistischen Ideals mit ihrer Anwendung, Umsetzung und Praxis und führt so von den Leiden der Existenz weg und zur Glückseligkeit des Erwachens hin. Im 6. Kapitel wird das Thema Geduld behandelt, einen der wichtigsten Aspekte der Bodhisattva-Schulung, der uns den heilsamen Umgang mit unseren Geistesgiften lehrt.
Mittwochs von 19.30 - 21. 00 Uhr
Termine: 25.04.06, 30.05.06, 27.06.06
Ort: Tibethaus

3. Interview mit Phukhang Rinpoche und seiner Frau Dekyi  
1. Teil von Klemens Ludwig

Phukhang Rinpoche(geb. 1941) und Dekyi (geb. 1951) zählen zu den Tibetern, die am längsten in Deutschland leben. Rinpoche kam als junger Lehrer an das tibetologische Institut der Universität Bonn; Dekyi kam als Kind in ein Pestalozzi-Kinderdorf am Bodensee. In vielerlei Hinsicht sind sie ein Vorbild, nicht nur für Tibeter, denn sie haben es geschafft, in der fremden Kultur Fuß zu fassen und sich sogar in gewisser Weise heimisch zu fühlen, ohne den Kontakt zu ihren kulturellen Wurzeln zu verlieren.
Beide engagieren sich imVerein der Tibeter in Deutschland (VTD), der für die Interessen der Tibeter in ihrer neuen Heimat eintritt. Dekyi war zudem mehrere Jahre Vertreterin des VTD im Vorstand der TID.
Klemens Ludwig sprach mit ihnen über die Chancen und Gefahren eines Lebens in zwei Welten.

Frage: Rinpoche, Sie sind eine hohe Inkarnation aus Tibet, leben aber schon seit fast einem halben Jahrhundert in Deutschland. Können Sie kurz die Stationen Ihres ungewöhnlichen Lebens beschreiben?
Phukhang Rinpoche: Ich stamme aus dem Chonggyal-Distrikt, dort, wo die tibetischen Königsgräber sind und der 5. Dalai Lama geboren wurde. Es liegt im Chonggyal-Tal. Ich bin das jüngste von zehn Kindern und wurde mit sechs Jahren als Reinkarnation des Phukhang Khenpo erkannt, eines hohen Abtes aus dem Kloster Ganden.
Ich genoss zunächst die traditionelle geistliche Ausbildung, die unser altes System zu bieten hatte. Im März 1959, zur Zeit des Volksaufstands, hielt ich mich in Lhasa auf. Ich habe die dramatischen Ereignisse also direkt miterlebt. Als der Aufstand niedergeschlagen und der Dalai Lama geflohen war, entschloss auch ich mich mit einigen Freunden zur Flucht nach Indien. Dort kam ich zunächst in eine Schule für junge Lamas bei Dharamsala. Dort sollte vor allem unser Englisch verbessert werden. Während ich dort war, fragte die Universität Bonn den Dalai Lama nach einem Tibetisch-Lehrer, denn dort sollte ein Tibetologisches Institut aufgebaut werden. Der Dalai Lama suchte drei Kandidaten aus, darunter mich. Wir wurden zur deutschen Botschaft nach Dehli bestellt, wo die endgültige Wahl schließlich auf mich fiel. So kam ich zum Jahreswechsel 1962/63 nach Bonn.
Frage: Sie sind allerdings kein Mönch mehr?
Phukhang Rinpoche: Das stimmt. Schon während der Flucht entschloss ich mich, das Mönchs-Gelübde zurückzugeben und die Robe abzulegen. Ich hatte das zuerst aus Sicherheitsgründen gemacht, aber dann habe ich im Exil gemerkt, dass es nicht passt, dort als Mönch zu leben. Es sind ganz andere Welten. Mein Mönch-Sein war untennbar mit meinem Leben in Tibet, mit meinem Leben im Kloster, verbunden. Nur dort konnte ich es mir vorstellen, aber das gab es in Indien und in Deutschland alles nicht. Ein Mönchsgewand macht eben noch keinen Mönch.
Frage: Hat sich dadurch etwas an ihren religiösen Überzeugung geändert?
Phukhang Rinpoche: Nein, gar nicht. Ich stehe nach wie vor zu meiner Inkarnation, denn das Mönch-Sein kann man aufgeben, die Inkarnation nicht. Ich bemühe mich, nach den buddhistischen Prinzipien zu leben, das kann man auch als Laie, und das erfordert viel.
Frage: Welche Reaktionen gab es auf den Schritt?
Phukhang Rinpoche: Es gab manche, die das nicht verstanden und mich abgelehnt haben, aber das war kein Problem für mich. Meine Lehrer und der Dalai Lama haben Verstädnis für den Schritt gezeigt, und das ist wichtig.
aus: Brennpunkt Tibet, Ausgabe 02/07 

Fortsetzung in der nächsten ChöMail

4. Wie übt man Geduld?
Erster Teil der Unterweisungen durch Dagyab Rinpoche  
Bericht von Annette Kirsch

Im Buddhismus gibt es nur Empfehlungen, keine Vorschriften. Mit diesem Hinweis eröffnete Dagyab Rinpoche seine Unterweisungen zum sechsten Kapitel des Bodhicaryavatara zum Thema "Geduld" am Mittwochabend im Tibethaus.

Sowohl auf dem Sutra- als auch auf dem Tantraweg gebe es zwar viele Regeln, deren Einhaltung sei jedoch eine freiwillige Angelegenheit, über die jede/r Praktizierende/r eigenverantwortlich entscheiden müsse. Der Buddha habe das Gesetz von Ursache und Wirkung dargelegt und in diesem Zusammenhang detaillierte Empfehlungen gegeben, wie wünschenswerte Wirkungen erzielt werden können. Eine Verpflichtung zur Einhaltung dieser "Regeln" gebe es von seiner Seite jedoch nicht.

Den Unterweisungen vorangegangen war eine ausführliche Atemmeditation. Die Anwesenden hörten konzentriert zu, als Rinpoche mit der Darstellung des Lebens Shantidevas und mit dem Aufbau des Textes fortfuhr. Schließlich wurde der erste Vers des Kapitels über Geduld besprochen sowie Fragen aus dem Publikum beantwortet.

Rinpoche bat die Zuhörer, auch an den Treffen zwischen seinen Besuchen gemeinsam im Text zu lesen. Darüber hinaus sollten sie eigene Ideen entwickeln, in welcher Form er ihr Studium künftig unterstützen kann.

Bis zum Sommer sind drei weitere Termine mit Rinpoche geplant: am 25. April, am 30. Mai und am 27. Juni. An den anderen Mittwochabenden werden Birgit Justl und Martin Brüger wie gewohnt Meditationen anleiten. Ein Teil der Abende soll künftig für das gemeinsame Textstudium genutzt werden. 

5. Ankündigung: Dagyab Kyabgön Rinpoche im Tibethaus
Unterweisungen vom 4. Mai bis 6. Mai

Öffentlicher Vortrag am 4. Mai um 20 Uhr über die Bedeutung der weiblichen Gottheiten im tibetischen Buddhismus.
Kosten: Euro 9,- | ermäßigt Euro 7,-

5. Mai und 6. Mai gibt Rinpoche eine Einführung ins buddhistische Tantra und die Segensermächtigung in die grüne Tara und die 21 Taras. 

Zeit:  Samstag 9.30 bis 13 Uhr + 15 bis 18 Uhr | Sonntag 9.30 bis 13 Uhr
Kosten:  Mitglieder Euro 42,- | Nichtmitglieder Euro 66,-

6. Termine

  • Dagyab Rinpoche zu Gast bei Jewel Heart, Nijmegen am 21. und 22. April
  • Unterweisungen zum Bodhicaryavatara von Shantideva von Dagyab Kyabgön Rinpoche, 25.April im Tibethaus
  • Spirituelle Krisen, Vortrag von Dr. Klaus Buch, 27.April um 19.30 Uhr
  • Stressbewältigung durch Achtsamkeit mit Angelika Wild-Regel am 28./29. April
  • Seminar mit Rinpoche vom 4. bis 6. Mai im Tibethaus

7. Zitat der Woche

Wenn morgen die Welt zu grunde geht,
würde ich heute noch ein Bäumchen pflanzen.

Martin Luther

Optimismus ist fördernd,
Pessimismus ist verhindernd.

aus: "Ein guter Mensch sein" von Loden Sherab Dagyab Rinpoche