08.03.2007

Ausgabe: 08.03.2007

 

 

Themenübersicht

 

    1. Dayab Rinpoche im Tibethaus - Bericht
    2. Achtsamkeitstag mit Ingrid Haas
    3. Vortrag von Ringu Tulku Rinpoche im Tibethaus
    4. Dagyab Rinpoche an Ostern im Kamalashila
    5. Dagyab Rinpoche zu Gast bei Jewel Heart, Nijmegen
    6. Verschiedenes
    7. Termine
    8. Dharma, subjektiv: der Gastkommentar in der Chömail
    9. Zitat der Woche

1. Dayab Rinpoche im Tibethaus - Bericht
     von Willi Maassen

Vom 2.-4. März gab Rinpoche Unterweisungen zu seinem Heft "Ein guter Mensch sein" bzw. zum Lodjong.
Beim öffentlichen Vortrag am Freitagabend waren über 100 Menschen anwesend, viele alte SchülerInnen, aber auch erfreulich viele neue Leute. Rinpoche sprach über bedingungslose Offenheit und machte uns damit klar, wie verschlossen, wie vorurteilsbeladen wir eigentlich unseren Mitmenschen gegenüber sind.
Am Samstag und Sonntag zitierte Rinpoche einige Sätze aus "Ein guter Mensch sein" sowie aus der Bergpredigt. Er machte damit deutlich, welche Wertschätzung er von jeher für das Christentum hegt und wie eng ethische Grundsätze aus beiden Religionen miteinander verbunden sind.
Rinpoche betonte die Wichtigkeit der Lodjong-Praxis: wenn sie nicht richtig verinnerlicht wird, ist jede weitere buddhistische Praxis, speziell Tantra, auf Sand gebaut.

2. Achtsamkeitstag - Wir erforschen unsere Innenwelt
     Kursleitung | Ingrid Haas

Am kommenden Samstag, den 10. März, findet zum wiederholten Mal der Achtsamkeitstag mit Ingrid Haas statt. Der Tag setzt sich zusammen aus Entspannungsübungen, Meditation, Massage und Malen. Das Mittagessen wird gemeinsam vorbereitet und eingenommen. Es wird weitestgehend geschwiegen. Der Schwerpunkt dieses Achtsamkeitstages liegt auf dem achtsamen Erforschen der eigenen Gefühle und Empfindungen.

Anmeldungen bitte bis Freitagabend (19 Uhr) unter Tel. 069.7191-3595.

Zeit | 10 bis 17 UhrKosten | Mitglieder 10 Euro | Nicht-Mitglieder 20 Euro | zzgl. Mittagessen und Spende an Kursleiterin


3. Vortrag von Ringu Tulku Rinpoche im Tibethaus
     12. März, 20 Uhr
    "Die vier vorbereitenden Gedanken"



Auf Einladung von Amrita Dzong Frankfurt wird Ringu Tulku Rinpoche am kommenden Montag, den 12. März, einen Abendvortrag im Tibethaus halten. Rinpoche wird die "Vier Vorbereitenden Gedanken" erläutern, insbesondere aus Sicht der Karma-Kagyü-Lehrmeinung.

Ringu Tulku, buddhistischer Meister der Karma Kagü Tradition, wurde in allen Schulrichtungen des tibetischen Buddhismus ausgebildet. Er studierte u.a. bei S.H. dem 16. Gyalwa Karmapa und bei Dilgo Khentse Rinpoche. Er besucht regelmäßig viele Zentren in aller Welt und ist mit der westlichen Mentalität bestens vertraut.

Zeit | 20 Uhr
Kosten | 15 Euro | ermäßigt 12 Euro

4. Mittwoch 4. April bis Montag 9. April 2007 Langenfeld/Kamalashila

TANTRISCHE ERMÄCHTIGUNG IN GUHYASAMAJA MANJUSHRI-VAJRA MIT 19 GOTTHEITEN
KOMMENTAR BELEHRUNGEN ZUR LAMA CHÖPA

S.E. Dagyab Kyabgön Rinpoche

Osterkurs mit Rinpoche im Kamalashila

Beim diesjährigen "Osterkurs" des Tibethauses wird Rinpoche eine tantrische Ermächtigung in Guhyasamaja Manjushri-Vajra mit 19 Gottheiten sowie Kommentarbelehrungen zur Lama Chöpa geben.

Die Praxis des Guhyasamaja Manjushri-Vajra wird heute leider kaum noch durchgeführt. Um dieses Tantra wiederzubeleben, hat Rinpoche die Einweihung erst kürzlich den Dagyab-Mönchen der Klöster Drepung und Ganden in Süd-Indien übertragen und möchte sie nun auch an uns weitergeben.

Während des Lodjong-Seminars (s.o.) hat Rinpoche seine Schüler und Schülerinnen deshalb gebeten, zahlreich am Osterkurs - und damit an dieser seltenen Einweihung - teilzunehmen. Alle Tantra-Praktizierenden, die bereit sind, die Verpflichtung zum täglichen Guru-Yoga auf sich zu nehmen, sind herzlich eingeladen zu kommen. Bei Fragen hilft unser Büro-Team gerne weiter (Tel. 069.7191-3595).

5. Dagyab Rinpoche zu Gast bei Jewel Heart, Nijmegen

Am 21. und 22. April wird Rinpoche eine Medizinbuddha-Einweihung in Holland geben. Jewel Heart ist das holländische Dharma-Zentrum von Gelek Rinpoche, der seit  vielen Jahren in Amerika lebt und ein guter Freund von Rinpoche ist.Nähere Informationen unter:Jewel Heart Nederland, Hatertseveldweg 284, 6532 Nijmegen, 024 322 6985 www.jewelheart.nl

6. Verschiedenes

Die Tibet-Initiative Deutschland (TID) zeigt am 10., 11. und 12. März anlässlich des Volksaufstandes in Lhasa 1959 in der Brotfabrik in Bonn den Film "The angry monk". Der Film schildert das Leben von Gendün Chöpel. 

Neujahrsbelehrungen des Dalai Lama aus Dharamsala online!
Die Unterweisungen des Dalai Lama: "Shantideva's A Guide to the Boddhisattva's Way of Life" können auch auf Englisch über die Website: www.phayul.com im online Radio gehört werden.

7. Termine

  • Achtsamkeitstag | Ingrid Haas, 10. März
  • "Die Vier vorbereitenden Gedanken" | Ringu Tulku am 12.März 
  • Buddhismus und Gesundheit | Prof. Klaus Jork, 16. März
  • Buddhismus und Wirtschaft | Arbeitsgruppe, 17. März
  • Einführung in die Meditation | B. Justl und M. Brüger, 18. März
  • Strategien für beruflichen und persönlichen Erfolg | EBI-Workshop, 30. März
  • Cool bleiben bei Stress - für Kinder Und Jugendliche, 31. März

8. Dharma, subjektiv: der Gastkommentar in der Chömail

"Dharma, subjektiv" könnte das Diskussionsforum der Chömail werden. Unter dieser Überschrift hat künftig jeder Chömail-Leser / jede Chömail-Leserin Gelegenheit, seinen / ihren persönlichen Standpunkt zu Themen rund um Buddhismus, Tibet und Dharmapraxis darzustellen. Die Beiträge sollen zur Diskussion einladen.

Heute: Sonam Dawas Losar-Bericht

Ende 2006, Anfang 2007 war ich ziemlich beschäftigt. Erst habe ich mein Geshe-Examen abgeschlossen und anschließend an einer ganzen Reihe von Zeremonien und Feierlichkeiten teilgenommen. Meine letzte Prüfung war im Oktober 2006, und sofort danach wurde ich in die Prüfungskommission meines Klosters aufgenommen. Ab dem 13. Februar war ich dann vier Tage lang unterwegs nach Dharamsala, um am 18. Februar an den offiziellen Neujahrsfeierlichkeiten teilzunehmen. Ich war vor allem deswegen eingeladen worden, um bei der Feier an der zugehörigen Debatte teilzunehmen, die ein Glücksverheißendes Zeichen für das neue Jahr ist. Alle Würdenträger im Exil nahmen teil - außer Seiner Heiligkeit, dem Dalai Lama, da er zu dieser Zeit gerade im Retreat war.

Es hat mich ziemlich mitgenommen, dass Seine Heiligkeit nicht an den Feierlichkeiten teilnahm, denn ich konnte ihn dadurch nicht sehen. Aber meine Traurigkeit sollte nicht lange dauern und sich in Freude verwandeln, denn nach den Feierlichkeiten kam sein persönlicher Sekretär zu mir, um mich zu einer Audienz bei Seiner Heiligkeit in dessen Privathaus einzuladen. Also begleitete ich ihn dahin. Normalerweise bekommt keiner eine Audienz im Privathaus Seiner Heiligkeit, weil seine Meditation dafür keine Zeit lässt. Während ich zur Audienz begleitet wurde, fand auch der Sicherheitscheck statt, nach dem ich dann zum Haus geführt wurde. Nach der Sicherheitsschleuse schien der Ort sehr still. Wir brauchten etwa zwei Minuten, um zum Haupthaus zu kommen.Als ich den Pfad entlang ging, habe ich mich genau umgesehen. Ich kam vor einem sehr schönen und einfachen Haus an. Es gab ein Gewächshaus mit Blumen in vielen Farben. Ich erinnerte mich, ein Photo gesehen zu haben, in dem Seine Heiligkeit Blumen goss. Als mir sein Assistent sagte, dass dies das Haus sei, in dem der Dalai Lama lebte, konnte ich das kaum glauben, bis ich ihn tatsächlich im Hause sah. Ein solches Haus hätte ganz gewöhnlichen Menschen gehören können, die vielleicht einen kleinen Laden besitzen. Bei vielen Gelegenheiten wie öffentlichen Reden oder Belehrungen hat er immer wieder ausgedrückt, wie wenig Interesse er daran hat, Besitz anzuhäufen und ein großes und teures Haus zu unterhalten. Jetzt verstand ich ihn. Das Haus war im Wesentlichen aus Steinen gebaut. Was man auch kaum glauben mag, sind die wenigen Leute in seiner direkten Umgebung. Auf seinen Touren ist er immer von Tausenden von Leuten umgeben. Aber hier gab es nur vier Mönche und einen Hund mit einer Decke auf dem Rücken, weil es sehr kalt war. Ich sollte im unteren Zimmer warten, wo ich von einem der Mönche begleitet wurde. Es war 9:50 Uhr, wobei mir der Assistent sagte, dass die Audienz um 10:00 Uhr begänne. Ich sah mir alles genau an, um ja nichts zu verpassen, denn eine solche Chance würde so schnell nicht wieder kommen. Nichts in dem Haus schien anzudeuten, dass hier der bedeutendste Mann unserer Zeit residierte. Alles war einfach und nicht wertvoll. Wegen der Neujahrsfeierlichkeiten gab es ein paar Äpfel und andere Früchte auf einem Tablett. Seine Heiligkeit sagt, dass jeder Tag neu für uns ist, wobei das Neue Jahr keine Ausnahme sei, was mir sehr lebendig in Erinnerung geblieben ist. Endlich, um 10:00 Uhr, wurde ich in den zweiten Stock gebeten, wo Seine Heiligkeit meditierte. Die Treppe führt von außen nach oben. Ich erreichte ein Zimmer, das mit Holz getäfelt ist. Ich wartete eine Minute in einem Zimmer, in dem Seine Heiligkeit meditiert, liest, Uhren repariert und isst. Ich hörte, wie sich eine Tür öffnete. Sein Assistent bat mich zu kommen. Als ich das Zimmer betrat, in dem Seine Heiligkeit meditiert, fühlte ich große Freude, weil ich ihn persönlich sehen konnte. Er saß auf einem kleinen Kissen und las die heiligen Schriften. Ein kleiner Tisch vor ihm. Ich machte meine Niederwerfungen vor ihm und übergab ihm meinen Katak. Er fragte mich nach dem Thema meiner Debatte bei den Feierlichkeiten. Eure Heiligkeit, ich diskutierte das Thema, wie man den Mittleren Weg betritt, wie er vom indischen Meister Chandrakirti entworfen wurde. Gut, sagte er, ich meditiere gerade und konnte daher nicht an den Feierlichkeiten teilnehmen. Aber ich dachte, dass ich Dich treffen wollte. Seine Heiligkeit wusste, dass ich aus Ladakh Zanskar stamme und fragte, aus welchem Dorf ich käme. Eure Heiligkeit, ich bin aus Zanskar Stongdey. Das Stongdey-Kloster hat eine ganz besonders kostbare Mahakali-Statue. Eine kleine. So schön! Wann bist Du in den Süden gekommen, um ins Kloster einzutreten? Ich erzählte ihm, dass das im Jahre 1985 war. Dann zählte er die Jahre von 1985 bis 2007 zusammen und sagte mir, dass ich seit 22 Jahren im Kloster sei. Er gab mir den Rat, den Buddha-Dharma in meinem Alltag und meiner Meditation zu praktizieren. Der eigentliche Grund, den Dharma zu studieren sei der, den rohen Geisteszustand zu beruhigen. Sei ein guter Schüler Buddhas!

Zum Schluss gab er mir einen sehr langen Katak und bat einen Assistenten, mir ein Geschenk zu übergeben, nämlich eine spezielle Schweizer Schokolade. Der Assistent wollte sie mir direkt geben, aber Seine Heiligkeit sagte nein, ich möchte sie selbst übereichen. Schließlich neigte ich den Kopf, um von ihm gesegnet zu werden. Gerade als ich hinausgehen wollte, fragte mich Seine Heiligkeit, ob ich Englisch könnte. Eure Heiligkeit, ich weiß ein wenig, nicht viel. Wo hast du das gelernt? Ich habe es mir selbst beigebracht. Ja, gut, sehr gut. Seine Heiligkeit bat seinen Assistenten nicht zu vergessen, mir ein Photo von Avalokiteshvara und die Segenbringende Pille zu geben.

Sein Assistent sagte mir, welches große Glück ich mit meiner wunderbaren Audienz gehabt hätte, die darüber hinaus in seinem privaten Haus während seiner Meditation stattgefunden hätte. Normalerweise werden keinerlei Besuche während seiner Meditation zugelassen. Auf dem Rückweg ging ich auf dem Pfad, den Seine Heiligkeit normalerweise auf der linken Seite abschreitet. Vier Polizisten bewachen den Ort. In der Vergangenheit gab es zahlreiche Erdbeben. Um sie zu verhindern, sind zahlreiche Stupas errichtet worden, u.a. auch vor dem Haus Seiner Heiligkeit.

Später fiel mir auf, dass ich ungefähr 15 Minuten bei Seiner Heiligkeit zugebracht hatte. Außerhalb des Palastes habe ich mich gefragt, ob es wahr oder ein Traum war. Meine Freunde, und insbesondere meine Tanten, die Nonnen, werden mir nicht glauben, dass ich eine Audienz bei Seiner Heiligkeit hatte. Glücklicherweise habe ich den Katak, das Photo, die Schweizer Schokolade (die man nicht in einem Laden in Dharamsala kaufen kann) und die Dharma-Pille. Mit diesen Beweisen werden sie mir glauben müssen.

Sonam Dawa ist Mönch im Kloster Drepung (Südindien)

9. Zitat der Woche

Wenn ich sage:"Ich habe schließlich meinen Stolz", dann unterstütze ich mein Ego, und damit verwickele ich mich noch mehr in Probleme.

aus: "Ein guter Mensch sein" von Loden Sherab Dagyab Rinpoche