Studienprogramm

Im Herbst 2009 starten zwei neue Buddhismus-Studienprogramme:

Die Kurse werden geleitet von Dr. Birgit Schweiberer (der ehrwürdigen Nonne Getsulma Losang Drime) und dem ehrwürdigen Mönch Bhikshu Tenzin Peljor.

Weitere Informationen finden Sie hier:


Dreijähriges Grundlagenstudium ab September 2009

Lamrim 1 | Lamrim 2 | Vertiefungsjahr


Lamrim 1: September 2009 bis Juni 2010

Die Themen der anfänglichen und mittleren Zielsetzung

Termine: 19.|20. September 2009, 24.|25. Oktober, 28.|29. November, 23.|24. Januar 2010, 20.|21. Februar, 27.|28. März, 15.|16. Mai, 19.|20. Juni 2010

  1. Das Buddhistische Weltbild: Die vier edlen Wahrheiten: Was ist der Daseinskreislauf, woher kommen wir, wohin gehen wir? Vom Sinn und Unsinn des Lebens.
  2. Die Natur des Geistes: Emotionen – Wie der Geist seine Welt mit Glück und Leid selbst erschafft, wie er sie positiv beeinflussen kann: Vom konstruktiven Umgang mit negativen Gefühlen.
  3. Des eigenen Glückes Schmied: Karma, wie unsere Handlungen unsere Erfahrungen beeinflussen oder wie will ich meine Zukunft gestalten? – Das Thema der Eigenverantwortung.
  4. Das Spektrum der Erfahrung: Verschiedene Daseinsbereiche – Welche Möglichkeiten bietet die Zukunft? Wo will ich hin?
  5. Auf wen kann man sich verlassen? - Die Drei Juwelen der Zuflucht – Wer ist Buddha, was ist Dharma, wer ist Sangha? Wie können sie helfen, was können sie, was können sie nicht?
  6. Mein Potenzial: Das kostbare menschliche Leben – Es gibt keine bessere Grundlage für Glück und Freiheit als das Leben, das ich heute habe.
  7. Die Zeit läuft: Unbeständigkeit und Tod Der große Nutzen davon, sich mit der Tatsache der eigenen Vergänglichkeit und dem Prozess des Sterbens vertraut zu machen, solange man lebt. Hilfe für mich und Hilfe für andere.
  8. Wer gibt sicheren Rat: Die Lehrer-Schüler-Beziehung – Es gibt viele spirituelle Lehren und Lehrer und viele Möglichkeiten für Täuschung und Enttäuschung. Man braucht Geduld, Wissen und gesunden Menschenverstand, um die passende Person für sich zu finden.


Lamrim 2: September 2010 bis Juni 2011, acht Wochenenden

Die Themen der großen Zielsetzung

Termine: werden rechtzeitig bekannt gegeben

  1. Bodhicitta I: Der altruistische Wunsch nach Erleuchtung – Die tiefe Verbindung mit allen Lebewesen erkennen, Verantwortung für alle Lebewesen übernehmen und die nötige Qualifikation dafür erlangen. Die sechs Ursachen mit einer Wirkung.
  2. Bodhicitta II: Alle wollen glücklich sein, aber keiner schafft es, solange der eigene Egoismus nicht überwunden ist – Das Austauschen von sich selbst mit anderen.
  3. Grundlage für Glück und Wohlstand: Die Vollkommenheit des Gebens – Warum Geiz niemanden glücklich macht – wie ein Bodhisattva die Grosszügigkeit auf allen Ebenen zur Perfektion entwickelt.
  4. Grundlage für Erfolg und alles weitere: Die Vollkommenheit der Ethischen Disziplin – Warum alle weltlichen und spirituellen Ziele nur durch eine vollkommene ethische Disziplin erreicht werden können. Die besonders hohen ethischen Anforderungen an Menschen, die für andere verantwortlich sind.
  5. Der beste Schutz für mich und andere: Die Vollkommenheit der Geduld – Warum Aggressivität und Hass nur Probleme machen – Die Geduld von Bodhisattvas, jede Art von Schwierigkeit und Widerstand zu ertragen.
  6. Wie man alles erreicht: Die Vollkommenheit der Tatkraft – Welche Methoden wenden Bodhisattvas an, Faulheit zu überwinden und mit Begeisterung ihre Ziele unerschütterlich bis zum Ende zu verfolgen?
  7. Nicht mehr aus der Ruhe zu bringen: Die Vollkommenheit der Konzentration – Nur ein vollkommen stabiler Geist ist in der Lage, die Realität der Dinge korrekt zu erkennen, fällt nicht mehr in destruktive Gewohnheiten, und hat die Kraft, sich jegliche gute Qualität nach Wunsch anzueignen.
  8. Die Lösung für alle Probleme: Die Vollkommenheit der Weisheit – Wer Befreiung aus dem Daseinskreislauf erreichen will, muss die Weisheit haben, die die Leerheit erkennt. Wer Erleuchtung erlangen will, muss die Weisheit haben, die die Leerheit erkennt. Wer anderen helfen will, muss die Weisheit haben, die die Leerheit erkennt.

Vertiefungsjahr: September 2011 bis Juni 2012, acht Wochenenden

Vertiefung der Vollkommenheit der Weisheit: Die vorbereitenden Übungen (Ngöndro)

Termine: werden rechtzeitig bekannt gegeben

  1. Philosophische Schulen: Vaibhashika und Sautrantika – Praxis: Zuflucht. Die philosophischen Sichtweisen der beiden Hinayana-Schulen sind die Grundlage für ein tieferes Verständnis der höheren Schulen. Die Betonung liegt auf den Vier edlen Wahrheiten und der Selbstlosigkeit der Person.
    Die Praxis der Zuflucht ist Grundlage jeder Buddhistischen Praxis und wird als eigene vorbereitende Übung für alle weiteren Meditationen praktiziert.
  2. Philosophische Schulen: Cittamatra und Svatantrika – Praxis: Guru-Yoga. Die Sichtweise der Nur-Geist-Schule (Cittamatra) vertritt, dass es keine äußeren Objekte gibt und die Welt nur vom Geist geschaffen ist. Die Sichtweise der Autonomie-Schule (Svatantrika) vertritt, dass Dinge zwar objektiv existieren, aber nicht so, wie sie erscheinen.
    Die Praxis des Guru-Yoga in ihren verschiedenen Aspekten ist eine essenzielle Grundlage sowohl für die Sutra- als auch für die Tantra-Praxis.
  3. Philosophische Schulen: Prasangika – Praxis: Wasserschalen darbringen. Nach der Sichtweise der Konsequenzschule (Prasangika) sind Dinge durch geistige Zuschreibung etabliert, d.h. sie existieren ganz und gar in Abhängigkeit von einem wahrnehmenden Subjekt.
    Die Praxis der Wasserschalendarbringung sammelt Verdienste an und dient dazu, den Geist sanft und geschmeidig zu machen.
  4. Leerheit: Das Objekt der Verneinung identifizieren – Praxis: 35 Buddhas. Die Erkenntnis der Leerheit beruht auf der korrekten Verneinung einer inkorrekten Bestehensweise von Phänomenen. Es darf weder zuviel verneint werden, um nicht in das Extrem des Nihilismus zu verfallen, noch zu wenig, um nicht in das Extrem des Absolutismus zu verfallen.
    Die Praxis der 35 Bekenntnisbuddhas bereinigt negatives Karma und Hindernisse, Niedergeschlagenheit und Schuldgefühle.
  5. Leerheit und abhängiges Entstehen – Praxis: Vajrasattva. Die Erkenntnis der Leerheit ist ein korrektes Verständnis davon, wie Phänomene nicht existieren, nämlich unabhängig. Der nächste Schritt besteht darin, zu erkennen, wie sie in Wirklichkeit bestehen, nämlich abhängig.
    Die Praxis von Vajrasattva ist eine der wichtigsten Praktiken zum Bereinigen von negativem Karma und Hindernissen, insbesondere auch beim Verständnis des Dharma und der Dharmapraxis.
  6. Leerheit analysieren: Die Leerheit der Person – Praxis: Mandala-Darbringung. Die Leerheit der Person ist einfacher zu erkennen als die Leerheit von anderen Phänomenen, daher beginnt man mit der Analyse der Person. Drei Verneinungsobjekte müssen hier korrekt erkannt und verneint werden.
    Die Praxis der Mandala-Darbringung sammelt außerordentlich viele Verdienste an und verleiht dem Geist Kraft, Stabilität und Klarheit.
  7. Leerheit analysieren. Die Leerheit von Phänomenen – Praxis: Vajradaka. Die Leerheit der Phänomene wird anhand gezielter Analysen von Ursachen, Entität und Resultaten von Phänomenen erkannt. Diese Analysen werden erklärt und meditiert.
    Die Praxis von Vajradaka (Dorje Khandro) ist eine außerordentlich kraftvolle Methode zur Bereinigung von negativem Karma mithilfe einer Feuerzeremonie.
  8. Leerheit und gültige konventionelle Erkenntnis von Phänomenen – Praxis: Tsa Tsas herstellen. Es ist schwieriger, die konventionelle Existenz von Phänomenen zu erkennen, als ihre Leerheit. Daher folgt sie nach der Erkenntnis der Leerheit. Wie Phänomene leer von inhärenter Existenz sind und dennoch durch gültige konventionelle Erkenntnis einwandfrei bestimmt werden können, bedeutet das Finden des Mittleren Weges. Wird der Mittlere Weg nicht gefunden, besteht die Gefahr, dass die Erkenntnis der Leerheit als Nicht-Existenz von Phänomenen missverstanden wird.
    Die Praxis der Tsa-Tsa-Herstellung (Abbildungen von Buddhas) sammelt Verdienste an und hilft, Krankheiten zu überwinden.

Dreijähriges Aufbaustudium ab Oktober 2009

Madhyamakavatara von Chandrakirti

Oktober 2009 bis Juli 2012, 16 Wochenenden

Termine: 17.|18. Oktober 2009, 5.|6. Dezember, 13.|14. März 2010, 24.|25. April, 29.|30. Mai 2010 | weitere Termine werden rechtzeitig bekannt gegeben

Madhyamakavatara (Einführung in den Mittleren Weg) von Arya Chandrakrti (7. Jhdt. n. Chr), ist einer der bekanntesten Kommentare zu den Grundversen zum Mittleren Weg (Mulamadhyamakakarika) von Arya Nagarjuna, dem großen Exegeten der Lehre des Buddha zur Vollkommenheit der Weisheit (Prajnaparamatita) und Wegbereiter der Philosophie des Mittleren Weges (Madhyamika). Beide Werke sind seit Jahrhunderten wegweisend für das Studium und für ein korrektes Verständnis der Philosophie des Mittleren Weges.

Chandrakirtis brillanter Kommentar schildert in zehn Kapiteln den „Ausbildungswerdegang“ eines Bodhisattva, das heiβt, einer Person, die die Buddhaschaft zum Wohle aller Lebewesen erlangen will, beginnend mit der Entwicklung von großem Mitgefühl. Jedes Kapitel widmet sich alsdann je einer von zehn Bodhisattva-Ebenen und der Praxis der jeweils hauptsächlich damit verbundenen Vollkommenheit (Paramita).

Das zentrale Kapitel ist das sechste, das der Vollkommenheit der Weisheit, das heiβt, der Erkenntnis der Leerheit aller Phänomene gewidmet ist. Eine korrekte Erkenntnis der Leerheit (Sunyata) aller Phänomene und ein korrektes Verständnis ihrer vielfältig abhängigen Bestehensweise (Pratityasamutpada) ist die unverzichtbare Voraussetzung für die Befreiung aus dem Daseinskreislauf und für die Erleuchtung. Damit ist sie die Grundlage jeder höheren Zielsetzung und Praxis im Buddhismus. Alle anderen Lehren gab der Buddha in Hinblick und zur Vorbereitung auf diese zentrale Erkenntnis. Wer die Leerheit erkennt, wird Befreiung erlangen, wer sie nicht erkennt, wird im Daseinskreislauf gefangen bleiben.

Das Seminar beginnt im Herbst 2009, wird sich über drei Jahre erstrecken und 16 Wochenenden umfassen. Es ist vor allem als vertiefendes Studium für Studierende und Praktizierende mit soliden Grundkenntnissen in den allgemeinen Prinzipien des Buddhismus (Lamrim) gedacht.

Das Studium des Grundtextes von Chandrakirti wird begleitend ergänzt werden von seinem eigenen Kommentar (Madhyamakavatarabhasyam) und dem Kommentar von Lama Tzongkhapa „Erläuterung der Absicht“ (dGongs pa rab gsal).