Blau = Buddha Akshobya
(bedeutet: Der Unerschütterliche)
Dharmadhatu-Weisheit

Puls Diagnose
Puls Diagnose

Die Tibetische Medizin (TM) ist eine Naturheilkunde, die sich aus schamanistischen Heilweisen der Bön-Kultur unter indischen, aber auch griechischen und chinesischen Einflüssen im 7. Jahrhundert zu ihrer Eigenständigkeit entwickelte.
Im 8. Jahrhundert soll das medizinische Hauptwerk, "Die Vier Tantra" (tib.: rGyud-bzhi; sprich: Gyü-shi), mit ersten Kommentaren entstanden sein. Es ist bis heute das Standardwerk der medizinischen Ausbildung und besteht aus 156 Kapiteln in 5.900 Versen. Das Wurzel-Tantra gibt als erstes Tantra einen Überblick über die medizinische Lehre. Das zweite Tantra, das Tantra der Erklärung, behandelt Embryologie, Anatomie, die Energiesysteme und die Körperfunktionen, das Dritte, das Tantra der mündlichen Unterweisung, enthält die Krankheitslehre, und das vierte Tantra lehrt die Methoden der Diagnose und die Zubereitung der Arzneien.

Die TM betrachtet Körper und Geist als eine Einheit. Als primäre Krankheitsursachen werden die drei sogenannten "Geistesgifte", nämlich Unwissenheit, Begierde und Hass betrachtet, also eine vordergründig psychosomatische Sichtweise. Mit Unwissenheit sind falsche Vorstellungen von der Natur des menschlichen Wesens gemeint. Begierde und Anhaftung führen zu einer Vermehrung von rLung, "Wind". Aggression und Stolz bringen die "Galle"-Energie (tib.: Tripa) ins Ungleichgewicht. Geisteszustände von Dumpfheit und Verblendung führen zu "Schleim"-Krankheiten (tib.: Päken). Sekundäre Krankheitsursachen sind zum Beispiel falsche Ernährung, jahreszeitliche Einflüsse und schädliche Sichtweisen. Da Geistesfaktoren vordergründig als Krankheitsursachen betrachtet werden, steht die Beeinflussung des Geistes im Mittelpunkt der Heilpraxis.

Bedeutsamste Methode der Diagnostik ist - neben der Erfassung des Krankheitsbildes


und der Krankengeschichte - die Pulsdiagnose, die mehr als 30 Pulsarten unterscheidet. Sie wird ergänzt durch die körperliche Untersuchung sowie die Urindiagnose und die Betrachtung der Zunge.

Behandlungsmöglichkeiten der TM beziehen sich zuerst auf die Ernährung sowie auf Verhalten und Lebensweise. Erst dann werden die gestörten Gleichgewichte der Energiesysteme Wind, Galle und Schleim mit Arzneimitteln behandelt. Diese bestehen vorwiegend aus Pflanzen, aber auch aus tierischen und mineralischen Substanzen. Sie haben sich vor allem bei der Behandlung chronischer Krankheiten bewährt.

Der Fachbereich "Heilkunde" des Tibethauses wird die drei Pfeiler der traditionellen tibetischen Heilkunde berücksichtigen, also Pharmakologie (Arzneimittel), Klinik (Diagnostik und Therapie) und Lehre (Ausbildung von Studenten).
Die "Pharmakologie" wird sich mit der Nomenklatur, der Zusammensetzung, der Herstellung, den Indikationen und der Dosierung der Arzneimittel befassen. Die "Klinik" orientiert sich an der Systematik tibetischer und naturwissenschaftlicher Diagnostik, Dokumentation und anwendungsbezogenen Forschung. Die "Lehre" berücksichtigt den Studiengang ebenso wie das Curriculum der TM und dient dem Austausch über Erfahrungen im Umgang mit unterschiedlichen Medien und der Evaluation der Lehre.

Darüber hinaus soll durch Kontakte mit tibetischen Ärzten über Ausbildungsmöglichkeiten für westliche Heilkundige informiert werden. Die wissenschaftliche Zusammenarbeit zwischen tibetischen und naturwissenschaftlich ausgebildeten Ärzten soll die Besonderheiten der Medizinsysteme für Interessierte erläutern und zur Praktikabilität der TM bei klinischen Diagnosen Stellung nehmen.